Berlinale Intermission?

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Wenn die Berlinale stattfindet, habe ich keine andere Wahl: Ich muss so lang und so oft ins Kino gehen, wie möglich. Die Filme, die dort laufen, kommen mit 90%er Wahrscheinlichkeit niemals ins Kino, zu 99% niemals ins deutsche Kino. Zeitverschwendung?

Fast alle Filme, die einen Verleih für Deutschland finden, haben große Namen im Hintergrund. Namen, die man kennt sind die von bekannten Regisseuren, beliebten Schauspieler, vielleicht (bei Cineasten) großartigen Kameraleuten, guten Musikern. Namen, die das Kinopublikum aber selten kennt, sind die der Produzenten, der executive Producers, der Studios, der Verleiher, der Fernsehanstalten, der Förderplattformen, die diese Filme unterstützen. Es gibt selbst in Berlin in den independent-Sälen kaum noch unabhängige Filme, die nicht Teil der großen Geldmaschine Kino sind. Bestenfalls sieht man die Sahnehäubchen aus europäischen Produktionen. Und ein paar junge deutsche Filme. Aber sonst?

Dabei gibt es weltweit eine riesige Anzahl an ungewöhnlichen Filmen, an unabhängigen Versuchen, an Experimenten, an Erstlingswerken von frischen Köpfen, an unpopulären Themen, aus kleinen Ländern, die man kaum mit dem Finger auf der Landkarte verorten kann, die man niemals, aber wirklich niemals nicht im Leben nicht im regulären Kinobetrieb zu sehen bekommen würde. Für solche Filme ist die Berlinale da. Verschiedene Juries suchen aus Tausenden Einreichungen aus der ganzen Welt die interessantesten Werke aus. Jetzt könnte man natürlich sagen: Das ist doch alles Fake, diese Juries haben einen Auftrag, diese Aufträge sind genauso gesteuert vom großen Geld wie alle anderen Aufträge auch… doch an diesem Punkt hebt sich die Berlinale ab von anderen großen Festivals. Sie ist klein genug, um uninteressant zu sein für die große Geldmaschine Kino. Und groß genug, um bedeutend zu sein für die Karrieren von herausragenden Talenten. Selbst Filme, die im Wettbewerb laufen, kommen in den seltensten Fällen ins Kino. Die Gewinner der Berlinale? Mit ein bisschen Glück findet man sie nach ein, zwei Jahren in sehr sehr gut sortierten Videotheken mit hohem künstlerischen Anspruch. Viele der Filme, die im Forum oder im Panorama zu sehen sind, kursieren bestenfalls noch auf ein paar Festivals und dann verschwinden sie in Archiven. Fazit: Wer gerne neue Ideen erforschen will, wer sich mit unpopulären Themen beschäftigen möchte, wer sich für politische Inhalte interessiert, die kein Box-office Potential haben, der kann bei der Berlinale eine Menge Input bekommen.

Ich habe nicht auf meine Aufgabe als Onlineplanerin vergessen. Mein aktuelles Thema ist Typografie. So sehe ich mir mit großer Aufmerksamkeit alle Titel und Abspanne der Filme an, die ich besuche. Ein Titel oder ein Abspann ist für die Ewigkeit gemacht. Ist er einmal gesetzt, wird er nicht mehr verändert, er ist Bestandteil des Werks, genauso wie jede einzelne Szene. Bei Büchern findet man bei Neuauflagen meistens neue, zeitgenössische Typografie, doch bei Filmen bleibt alles so, wie es an einem bestimmten Zeitpunkt entschieden wurde. Aus diesem Grund wird auf die Gestaltung der Schriften oft sehr großen Wert gelegt. Meine Erkenntnisse, die ich aus diesen Studien ziehen werde, werden hier mit einfließen.

Jetzt schnell, schnell, hübsch herrichten, gespannt sein auf die Leute, die man treffen wird, Visitenkarten einstecken, Notizbuch nicht vergessen, gleich fängt der nächste Film an. ^^

 

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