Das flache? Netz

Flat Design klingt wie eine Drohung, obwohl es verheißungsvolle Talente mitbringt.

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T3n stellt „Flat Design“ vor. Einen Trend, der sich über einfach gestaltete Websites definiert. Die neue Funktionalität großer Plattformen wird darin gelobt, einige Beispiele für gute Websites werden vorgestellt.  Ich bin von dieser Entwicklung sehr angetan. Denn, und das mag jetzt überraschen, die besten Seiten, die in dem Beitrag von t3n vorgestellt werden,  haben eindeutig definierte Dimensionen, die Vorder- und Hintergründe voneinander trennen, tiefe Räume definieren und gut durchdachte Bedeutungsperspektiven präsentieren.

Beispiel 1: Microsoft

Durch die Seitenansicht der Technik entsteht sofort eine dreidimensionale Wirkung: In die Tiefe hinein wird ein imaginärer Raum erzeugt, der durch das rote Signal definiert wird. Ob es klein im Vordergrund oder groß als Plakat im Hintergrund platziert ist, überlässt der Designer der Vorstellung der Betrachter.

Beispiel 2: Facebook

Die Textinhalte folgen ganz den Prinzipien der Bedeutungsperspektive. „Registrieren“ ist das Signalwort, das alle Blicke auf sich zieht. Als Grafik wird eine stilisierte Weltkugel dargestellt, die durch ihre Verzerrung und das auf ihr abgebildete Netzwerk die Zentralperspektive nutzt, und einen dreidimensionalen Ort erzeugt, der den Text im Raum „schweben“ lässt.

Beispiel 3: Spelltowers

Der angedeutete Sternenhimmel, der durch die unterschiedlich großen Lichtpunkte definiert wird, assoziiert die Informationen der Seite mit einem Raumschiff, einem frei schwebenden Objekt, das bald in unendliche Weiten aufbrechen wird.

Beispiel 4: Nest

Klare Bedeutungsperspektive und dreidimensionaler Raum durch den Schattenwurf des Interface.

Beispiel 5: Squarespace

Eine Illusion einer Kinoleinwand versetzt den Betrachter in die Situation, sein eigenes Umfeld als Projektionsraum zu interpretieren und die zweidimensionale Leinwand als dreidimensionale Erzählung anzunehmen.

Beispiel 6: Etch

Vordergrund und Hintergrund trennen sich optisch durch die Mischung von dreidimensionaler Darstellung durch Fotografie und zweidimensionaler Grafik.

„Flat Design“ bedeutet keinesfalls, dass die Zukunft des Web sprichwörtlich FLACH aussieht. Ich übersetze „Flat“ vielmehr mit „Wohnung“, „Appartement“. Ein architektonisches, gut durchdachtes Raumgebilde, errichtet auf einer „Site“ (einem Grundstück), in dem die Dimensionen bewusst zueinander proportioniert sind.

Auch bei Granaton habe ich Vorder- und Hintergründe voneinander abgelöst. Im Vordergrund stehen die Überschriften der Artikel, die von einem Ornament unterstützt der Bedeutungsperspektive der keltischen Buchkunst folgen. Das Logo ist durch seinen runden Körper wie ein 3D Objekt angedeutet und durch die Konstruktionslinie gegen den Header ist spielerisch ein Raum gestaltet, in dem Navigationselemente parallel zum Bildschirm angeordnet sind.
Form follows Function. Flat Design mit einem Schuss Poesie und einer Prise Humor.

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