Ausstellung verkehrt

"Das unbekannte Werk" zeigt Arbeiten, die gar nicht als Kunst gedacht waren

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Eriko Yamazaki und Tomoko Mori teilen sich mit zwei weiteren KünstlerkollegInnen ein Atelier in Berlin-Neukölln. Studio Nikibi ist ein offener Erdgeschoßladen einer unscheinbaren Altbaustraße mit großen Fenstern und viel Licht. Viermal im Jahr laden sie Kunstschaffende ein Wochenende lang zu thematischen Ausstellungen ein. Diesmal hat Tomoko Mori als Kuratorin die Auswahl getroffen und sich eine sehr ungewöhnliche Idee einfallen lassen: Sie fragte 16 weitere KünstlerInnen, ob sie Arbeiten haben, die sie noch nie gezeigt haben und eigentlich auch nicht zeigen wollen.

Das Ergebnis ist unheimlich lustig geworden. Alle ausgestellten Objekte sind sehr individuell bis schräg. Eriko beispielsweise hat entdeckt, dass eine Wandskulptur aus Pappmaché an der Atelierwand einen charismatischen Abdruck in der Farbe hinterlassen hat, und hat diesen kurzerhand als Werk deklariert.
Tomoko erzeugt über konzeptionelle Wege Malereien, die entfernt an digitale Formen erinnern. Um sie so malen zu können, benutzt sie Klebeband, mit dem sie die Leinwand maskiert. Das Klebeband wird zwischendurch immer wieder auf einer Glasplatte aufbewahrt. Sie fand diese Strukturen interessant und hat eine der Platten mit Klebeband als Wandmalerei interpretiert.

Tomoki Mori

Ludovic Méhauté beschäftigt sich mit Landschaften. Eigentlich malt er davon Bilder. Für diese Präsentation hat er sich etwas Besonderes ausgedacht und einen Wartemarkenhalter inszeniert. Darin befinden sich keine Wartenummern, sondern eine Rolle mit 260 Google Maps Marken, auf denen die Koordinaten von Landschaften dieser Welt abgedruckt sind – hauptsächlich aus Afrika und Lateinamerika. Es ist auch eine Marke von Berlin dabei – der Ort befindet sich in der Nähe der East Side Gallery. Die Marken kann man abreißen und als Souvenir mitnehmen.

Ludovic Mehaute

Nutzen Sie den morgigen Sonntag, um die Ausstellung zu besuchen. Bitten Sie die KünstlerInnen um eine Führung und blättern Sie den eigens gedruckten Katalog mit Interviews der TeilnehmerInnen durch – spätestens wenn Sie erfahren, dass Anne Kollwitz den PVC-Fußboden eines Dönerladens abgedruckt hat, ist Ihre Woche gerettet!

Übrigens: Nikibi ist japanisch und heißt so viel wie „Pickel“. Verstehen Sie den Namen als Einstimmung. Glauben Sie nicht, dass Kunst keinen Spaß machen darf! Fröhliches Lachen in der Ausstellung ist erlaubt. Sie ist morgen von 14 Uhr bis 18 Uhr geöffnet!

Das unbekannte Werk
Studio Nikibi
Okerstrasse 4
12049 Berlin

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