Die ideale Kamera für Blogger

Weshalb die Nikon Coolpix P7700 und ihr Nachfolgemodell P7800 unschlagbar sind

Geschätzte Lesezeit: 8 Minuten

So lange habe ich gesucht. Getestet, geprüft, fotografiert, geforscht. Über Monate. Endlich habe ich sie. Die Kamera für Blogger, die wirklich alle Stückerln spielt. Die Nikon Coolpix P7700 ist die Beste, die mir in der riesigen Auswahl an Kameras begegnet ist. Dieses kleine Ding? Warum? Wie begann meine Suche überhaupt?

Ich lernte schon als Kind, mit Kameras umzugehen. Damals alles noch auf Film – Sucherkameras. Mit Aufsteckblitz, den man nur einmal benutzen konnte, in dessen Licht jede Person zum Gespenst wurde. Ich verstand, dass ein guter Blitz bestimmend für gute Fotos sein kann.
Mein erstes Spiegelreflexspielzeug wurde eine Praktika mit zwei Wechselobjektiven. Ich kann mich noch gut an das Geräusch des Spiegelschlags erinnern. KLACK-KLACK! Sie war so laut, dass jede Person erschrak, wenn ich in Gesellschaft den Auslöser drückte. Folglich konzentrierte ich mich auf Architekturfotografie und Stilleben.
Als Studentin erwarb ich eine Mittelformatkamera mit Prismensucher und fotografierte Natur, Straßen und Städte. Entwickelte eine eigene Technik der Motivsuche. Ich richtete mein Auge nicht mehr direkt auf die Wirklichkeit, sondern beobachtete sie mit dem Auge nach unten auf den großen Schirm. Das war ein völlig anderes Arbeiten, wenn der Blick nicht mehr mit zwei unterschiedlich geöffneten Lidern durch ein winziges Guckloch in die Ferne gerichtet werden musste – ein körperlicher, fast tänzerischer Zugang zum Moment des Auslösens mit der Kamera auf Hüfthöhe wurde möglich.
Dann kam meine erste Nikon Spiegelreflex. Sie war wesentlich leiser und wesentlich schneller als die Praktika. Sie konnte 1/8000 Sekunde einfangen, großartig für schnelle Moves. Endlich konnte ich mich an bewegte Menschen, lebendige Szenerien und auch Menschenmengen heranwagen.
Videokameras wuchsen aus dem Boden, die Schwenkmonitore mit kleinem Vorschaubild hatten. Ich konzentrierte mich auf Tanz – und Theaterfotografie und hielt Inszenierungen auf Video fest. Mit der Videokamera wurde ich immer fitter. Durch das externe Display, das das Gerät befreite von der Nähe zu meinem Auge und die Nähe zur Mittelformatkamera herstellte, wurde sie zu meinem liebsten Werkzeug – auch für Videostills.
Als mich der Rektor unserer Kunstuniversität eines Tages „Paganini des Films“ nannte, wusste ich, dass ich eine Bildqualität erreicht hatte, die einzigartig war. Dann wurde ich Galeristin und hörte auf, selbst Bilder zu machen. Fertigte nur noch Ausstellungsfotos und Kunstreproduktionen mit einer digitalen SONY an.

Ein Jahrzehnt später, nunmehr als Granat On, suchte ich nach der idealen Kamera für Blogger. Und merkte, dass sich mein Körper erinnert an früher. Die alten Bewegungen, die stabilen Materialien, die kreativen Bedürfnisse über manuelle Einstellung ohne Automatik, die frühen Erkenntnisse, umgesetzt und erweitert mit zeitgenössischen Möglichkeiten, das wollte ich in einem einzigen Gerät verwirklicht sehen. Und machte mich auf die Suche nach dem besten Stück.

Erster Versuch: die Olympus OM-D. Sie befriedigte meine Neigung zu stabilen Materialien vollkommen. Und sie hat ein fantastisches Makro-Objektiv. Doch sie war viel zu schwer. Und unhandlich. Ich suchte nach einer Kamera, die ich ganz leicht in einer Hand halten konnte, auch über längere Zeit hinweg. So, als wäre die Kamera mein Revolver, schussbereit in jeder Sekunde. Dazu musste sie leicht und schnell sein. Das war die OM-D nicht. Sie war stabil aber viel zu träge. Das Kompaktmodell von Olympus wiederum, die XZ-10, war für manuelle Features kaum geeignet. Das war eine gute Knipse mit schöner Bildqualität bei Vollautomatik und hellem Licht, aber für mich zu unflexibel.

Zweiter Versuch: eine SONY Cyber-shot DSC-HX300 Bridgekamera. Ich wollte keine Spiegelreflexkanone mehr, ich wollte eine Kamera, die leise ist wie eine Fledermaus. Geeignet für Tanzveranstaltungen wie für Tierfotografie. Kein Spiegelschlag mehr. Das war bei der Cyber-shot Variante der Fall und ich hatte gute Erinnerungen an SONY durch meine Ausstellungsfotos. Doch diesmal wurde ich enttäuscht. Die Farben der fertigen Bilder waren entweder hysterisch knallig oder im Programmautomatik-Modus grau. Es gab kein einziges Foto, das ich in den Farben nicht hätte korrigieren müssen. Außerdem, und das war spooky, bewegte sich das Innenleben dieser Kamera. Wenn man sie locker in der Hand hielt, und am schlenkernden Arm trug, dann fühlte es sich bei jedem Schritt so an, als würde darin irgendetwas arbeiten, fokussieren, schwanken. Dies sei der optische Bildstabilisator, sagte man mir. Grundsätzlich ein guter Ansatz, aber diese kleinen Bewegungen störten mich genauso sehr, wie die falschen Farben.

Dritter Versuch: Die Panasonic Lumix dmc-FZ200 schien ein wahrgewordener Traum zu sein. Ein überraschend lichtstarkes Objektiv mit langer Brennweite, verbunden mit supergutem Makro, guten Farben und sie war schnell! Lag wunderbar in der Hand. Mit einem Griff, als sei sie für meine Dimensionen gemacht. Ich dachte schon, sie sei meine nächste Lebensabschnittspartnerin und habe mit ihr ein paar schöne Fotostrecken realisiert. Doch leider, leider, sie war so schlecht verarbeitet, dass drei Modelle innerhalb weniger Tage Materialfehler zeigten. Der Auslöseknopf fiel einfach ab. Und der Einschalter hatte einen Wackelkontakt. Als Kamera für Blogger völlig ungeeignet. Ich beschloss, von Panasonic Abstand zu nehmen.

Meine „ich will“ Liste wurde lang. Ich wollte eine Bridgekamera für leise Aufnahmen ohne Spiegelschlag. Ein sehr leichtes Modell für lange Einsatzzeiten. Deshalb keine Olympus OM-D. Ein lichtstarkes Objektiv mit Zoom und sehr gutem Makro. Deshalb keine Canon. Full HD Video mit Ton. Unbedingt einen schwenkbaren Monitor, nicht nur einen abklappbaren. Deshalb keine Fuji. Einen starken Chip auch für Dämmerlicht. Den besten Autofokus mit Gesichtstracking und, sehr wichtig (deshalb fiel die Bridgekamera von Pentax durch den Rost) meine Bloggerkamera musste SCHNELL sein. Nach dem Auslösen durfte nicht zu viel Zeit vergehen, Zack! Auslösen. Zack! Anschauen. Wenn das zwei Sekunden lang dauert, dann schläft das Motiv oder es ist weg. Also auch keine Leica. Schließlich hatte ich das Bridge-Modell von Nikon in der Hand. Es fühlte sich nicht gut an. Das Gehäuse vermittelte ein glitsch-glattes Kunststoff-Feeling.

Fast spielte ich mit dem Gedanken, schließlich doch die Panasonic zu nehmen, und damit zu rechnen, dass sie jederzeit auseinanderfallen könne. Doch dann machte mir Foto Meyer bei seinem IFA-Special einen tollen Vorschlag: Die neue Nikon Coolpix P7800 solle ich mir einmal ansehen. Zwar keine Bridgekamera sondern ein Kompaktmodell, aber sehr stabil für die anspruchsvolle Fotografin. Es war Liebe auf den ersten Blick. Sie hatte alles, was ich wollte, in einem Modell vereint. Stellen Sie sich einen Autofokus vor, der sich so sanft und schnell einstellt, als würde ein heißes Messer durch Butter gleiten. Ein Rädchen für manuellen Focus mit Vorschaulupe. Bilder, die nicht nur in ihren Farben richtig sind, sondern die vor allen Dingen auch durch ein so gutes Objektiv geschossen wurden, dass sie an Spielfilme erinnern, die mit einer ARRI gedreht wurden. Dass die Kamera einen schwenkbaren Monitor hat, versteht sich. Das braucht man, wenn man mit Menschen bei Events arbeitet. Kleiner Nachteil: Das Makro-Objektiv muss man manuell aktivieren, es ist nicht stufenlos, so wie bei Panasonic. Und sie liegt auch nicht ganz so gut in der Hand, der tiefe Griff fehlt. Dafür ist sie leicht. Leicht wie eine Feder und schnell wie ein Jet. Erhältlich ab Oktober, sagte man mir. Ob ich so lange warten wolle? Oder ob ich lieber das Vorgängermodell Coolpix P7700 möchte?

Es gab diese Kamera bereits! Ich war baff. Niemand hatte sie mir bisher empfohlen oder gezeigt, alle VerkäuferInnen gingen davon aus, dass ich Profi ein größeres, teureres Modell mit ultrastarkem Zoom brauchen würde. Doch weit gefehlt, die P7700 ist perfekt. Die Unterschiede zwischen P7700 und P7800 sind marginal. Das neue Modell hat einen Sucher. Eine Kamera ohne Sucher? Wie bitte? Ja, Sie lesen richtig, die P7700 hatte keinen Sucher. Nikon war einmal mehr seiner Zeit voraus und hatte UserInnen wie mich im Kopf, als dieses Modell entwickelt wurde. Wunderbar für mich, das spart Größe und Gewicht, ich benutze den Sucher sowieso niemals. Nicht zuletzt, weil ich Falten vermeiden will. ^^  Doch noch ist es zu früh für eine Displayrevolution, viele KonsumentInnen vermissten anscheinend das Guckloch für das Auge. Deshalb hat die P7800 jetzt nachgerüstet. Und – zugegeben – ein ausgeschaltetes Display spart Akkukapazität, für Reiseblogger kann das ein wichtiger Aspekt sein.  Die P7800 bietet auch Belichtungskorrekturen bei Videoaufnahmen an, das kann praktisch sein. Und sie kann ein 16:9 Bildformat bei Einzelfotos. Vielleicht nützlich, aber ganz ehrlich: Das werde ich nie brauchen. Ansonsten sind P7700 und P7800 identisch. Preisunterschied: 200 Euro. Ich konnte sofort ein Gerät bekommen. Gute Beratung von Fachleuten rockt!

Die P7700 ist ein Auslaufmodell. Fachhandel und Elektromärkte verkaufen gerade die Restbestände, sie wird von Nikon nicht mehr ausgeliefert. Media Markt hat sie gerade noch um 349,- im Angebot. Mit diesem Preisargument in der Hinterhand bekommt man die letzten Stücke auch in Fachgeschäften. Haben Sie das schon einmal gemacht? Mit einem Fachhändler verhandelt? Der regionale Handel beklagt doch das Problem, dass sich KundInnen gut beraten lassen, um das ausgesuchte Produkt dann online oder in Großmärkten zu einem günstigeren Preis zu bestellen. Sicherlich machen das viele Leute so. Ich nicht. Ich mache es genau umgekehrt. Ich gehe in Großmärkte, um eine Produktübersicht zu bekommen, und dann gehe ich zum Fachhandel um da einzukaufen. Wenn es deutliche Preisunterschiede gibt, was nicht immer der Fall ist, dann kann ich das auch so kommunizieren, dann bekomme ich oft den niedrigeren Preis. Ein paar Prozent sind fast immer drin. Kleiner Tipp am Rande. Experten vor Ort, die gut beraten können, sind Gold wert, das muss man unterstützen.

Ich kann die Nikon Coolpix P7700 oder P7800 jeder LeserIn wärmstens empfehlen. Das ist ein tolles kleines Ding. Eine Kamera für Blogger, wie man sie sich besser nicht wünschen kann. Sie liegt jetzt neben mir, die Nikon Coolpix P7700, und wartet auf ihren ersten Einsatz. Darauf freue ich mich schon. <3  Es mag ja eigenartig klingen, aber mit diesem Werkzeug in der Hand fühle ich mich wieder wie Anfang zwanzig. Ich möchte tanzen und dabei fotografieren.

 

2 Gedanken auf "Die ideale Kamera für Blogger"

  1. Doris Prestele Antworten

    Bingo!
    GoogleSuche, 1. Bersuch: Volltreffer.
    Toll geschrieben, und meine Frage ist auch gleich beantwortet!
    Danke!

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