Doris Eichmeier im Gespräch

Save the Date: Am 01. Juni hält Doris Eichmeiner beim ersten #cocosum einen Workshop über Content Strategie für Shops

Geschätzte Lesezeit: 7 Minuten

Erinnern Sie sich an meinen Artikel Wie man Content Strategie an b2b KundInnen vermittelt? Dieser ist inspiriert durch einen cosca-Vortrag von Udo Butschinek, Profi für E-Commerce Content Strategie. Als einer der wenigen Experten auf seinem Gebiet veranstaltet er von 01. bis 03. Juni 2016 den ersten Content Commerce SUMMIT in Leipzig.

Für einen ganztägigen Workshop buchte Udo Butschinek die etablierte Content Strategin Doris Eichmeier. Sie wird über Content-Analyse für Shops referieren. Um ihnen diese clevere Playerin der Onlinewelt kurz vorzustellen, führte ich mit der coolen Doris Eichmeier ein Interview bei der ersten Content World Konferenz in Frankfurt. Herzlichen Dank an Ioana Sträter, die dieses Interview möglich gemacht hat!

Granaton: Doris, du hast jahrelange Erfahrung mit Content Strategie. Wenn man dich fragt, wie lange es dauert, bis man als UnternehmerIn Ergebnisse durch Content Strategie messen kann, was antwortest du dann?

Doris Eichmeier: Das kommt ganz auf die Vorarbeit an. Wenn es ein Unternehmen ist, in dem es noch keinerlei Content Strategie gibt, und auch keinen funktionierenden Workflow, dann können durchaus zwei, drei Jahre ins Land gehen – um Strukturen aufzubauen. Um zu erforschen, welche Inhalte braucht dieses Unternehmen überhaupt? Welche Inhalte kann dieses Unternehmen realisieren? Welche Dienstleister brauchen sie dazu? Das sind Themen, über die muss sich ein Unternehmen erst klar werden. Wenn diese Vorarbeit noch nicht getan ist, dauert das. Wenn ein Unternehmen allerdings schon gut aufgestellt ist und sich genau diese Fragen schon gestellt hat, wenn der Content strukturiert ist, dann kann es relativ schnell gehen.

Granaton: Relativ schnell heißt ..?

Doris Eichmeier: Ein halbes Jahr schon. Zum Start sollte man sich auf alle Fälle Zeit lassen. Jeder, der drängelt, den sollte man mit ins Boot holen und ihn ein bisschen ausbremsen. Es kommt wirklich, gerade am Anfang, auf die Qualität von gutem Content an.

Granaton: Hast du denn in all deinen Jahren als Content Expertin besonders gute Erfahrungen gemacht beim Vorstellen von Content für Entscheider? Wer war dein Traumkunde?

Doris Eichmeier: Einer meiner Traumkunden ist von Google angefixt worden. Er hat sich mit jemandem von Google unterhalten, das war schon vor vier oder fünf Jahren. Der hat ihm gesagt „das was du brauchst, ist Content, Content, Content“. Das ging meinem Kunden sehr nah, er hatte noch in Broschüren gedacht. So hat er sich auf die Suche gemacht hat nach einer Content Strategin und nach einer Frau, die für sein Unternehmen etwas aufbauen kann. So ist zu mir gekommen. Diese Überzeugungsarbeit habe ich Google zu verdanken.

Granaton: Wie hat er dich gefunden? Über die Google Suchmaschine?

Doris Eichmeier: Nein, das ging über eine Empfehlung. Im Grunde geht bei mir alles über Empfehlungen.

Granaton: Du entwickelst keine eigene Content Strategie, um über Google gefunden zu werden?

Doris Eichmeier: Das ist mein Schwachpunkt. Ich würde gerne genauer publizieren, bin viel im social Web unterwegs, ich poste im PR Blogger, unternehme schon Aktivitäten, um auf mich aufmerksam zu machen und um Eigenmarketing zu betreiben. Aber nachdem ich eine Freiberuflerin bin, ich bin ja alleine, bedeutet das, wenn ich zu tun habe, wenn ich zu arbeiten habe, dann fällt das Eigenmarketing, so schlimm das auch ist, zu kurz aus.

Granaton: Bist du wie die Friseurin, die keine gute Frisur hat?

Doris Eichmeier: Ja, so ungefähr. Der Schuster mit den schlechten Sohlen. Ich habe mein Eigenmarketing. Ich habe meine Website, ich schreibe in Blogs, bin da schon aktiv. Aber hätte ich Zeit und Muße, und hätte ich Mitarbeiter, würde das ganz anders aussehen. Da hätte ich schon viele Ideen, was ich gerne machen würde.

Granaton: Was zum Beispiel? Was würdest du gerne machen für dich selbst im Web?

Doris Eichmeier: Ich würde gerne alle Content-Plattformen ausprobieren: Medium, LinkedIn, da ist noch wahnsinnig viel Musik drin. Inhalte verlassen Websites und Blogs, um woanders zu punkten. Das ist eine sehr spannende Herausforderung. Da wäre ich mit Sicherheit engagierter.

Granaton: Medium, LinkedIn, auch Facebook mit seinem Blogformat … denkst du, das bringt mehr, als Owned Content auf dem eigenen Blog?

Doris Eichmeier: Es kommt darauf an. Wenn ich ein Medium betreibe mit einem festen Themenkern, einem Themenkern der spannend ist und attraktiv, dann hat dieses Blog automatisch Anziehungskraft. Weil es Unique Content ist, weil es etwas Besonderes ist.
Wenn dieses Alleinstellungsmerkmal aber fehlt, und ich diese Sogwirkung nicht so richtig entfalten kann, dann ist es eine gute Sache, Themen, die durchaus gut und wichtig sein können, zu verteilen und woanders zu streuen. Da muss man sich nicht unbedingt konzentrieren auf ein eigenes kleines Blog, sondern kann einen Hub aufbauen. Einen persönlichen Newsroom, der alle Inhalte vereint, die man im Web publiziert. Aber man braucht dann kein eigenes Medium.

Granaton: Du hast mit deinem Buch, das du zusammen mit Klaus Eck geschrieben hast, Die Content-Revolution im Unternehmen, den Vergleich von Papierwelt mit Onlinewelt. Wo siehst du die großen Unterschiede in der Art des Publizierens?

Doris Eichmeier: Gut, da kommt jetzt auch die frauliche Komponente hinzu. Es ist für eine Frau nicht schlecht, schwarz auf weiß zu schreiben, dass man etwas auf dem Kasten hat. Insofern ist das Buch für mich sehr sehr gut, um in der Branche für Relevanz zu sorgen. Nichtsdestotrotz, ein Buch ist ein Buch. Das kommt heraus und irgendwann ist es nicht mehr aktuell. Da ist natürlich ein Blog unschlagbar. Das bedeutet, dass ich vielleicht irgendwann einmal versuchen werde, die Inhalte aus dem Buch im Blog zu verwerten. Ein Buch ist toll für einen ordentlichen Kompetenzaufschlag. Um die Relevanz im Alltag zu beweisen, ist ein Blog ideal.

Granaton: Das fällt mir auch immer wieder auf, bei Onlinemarketingbüchern, dass sie manchmal schon veraltet sind, wenn sie herauskommen, weil alleine schon der Prozess, bis sie auf den Markt kommen, so lange dauert.

Doris Eichmeier: Exakt, ja.

Granaton: Hast du darauf geachtet, als du dein Buch geschrieben hast? Möglichst langlebige Inhalte zu beschreiben? Hast du für die Zukunft geschrieben?

Doris Eichmeier: Das war bei diesem Buch kein Problem für mich, denn mein Schwerpunkt war Content Audit und Content Analyse. Da gibt es Regularien, die sind immer wichtig. Da musste ich mich gar nicht auf Trends kaprizieren.

Granaton: Die alte Idee von Suchmaschinenoptimierung ist in vielen Köpfen von KundInnen noch fest etabliert. Wie reagierst du darauf?

Doris Eichmeier: Natürlich heißt es immer wieder „Ich möchte im Ranking auf die Seite Nummer Eins.“ Oder „Wir müssen zusehen, dass wir die wichtigsten Keywords bei mir im Artikel platzieren“. Und da danke ich mir: „Mein Gott, seit fünf Jahren rede ich davon, und jetzt, wo es mich nicht mehr interessiert, jetzt kommt ihr da an – wo habt ihr das nur her?“ (schmunzelt)

Granaton: Die Geister, die ich rief …

Doris Eichmeier: Es ist schon eine Herausforderung, genau diesen Leuten dann zu sagen, dass sie sich vielleicht nicht nur auf Google und Facebook verlassen dürfen. Diese haben mittlerweile Auswahlmechanismen entwickelt, die uns Content Produzenten sehr abhängig machen. Man muss seinen eigenen Weg finden und seinen eigenen Stolz haben. Wenn man sich nur auf Google verlässt, ums Ranking zuliebe, was hat man dann davon, wenn Google einfach die eigene Überschrift ändert, weil Google der Überzeugung ist, dessen Roboter-Überschrift wäre besser? Oder auch der Vorspann einer Geschichte … Das sind alles Texte, die Google mittlerweile automatisch macht. Sie schreiben einfach Geschichten um. Das geht mir an die journalistische Ehre, da muss ich dann sagen NEIN, mir gefallen die Google Vorschläge gar nicht. Und man sollte genau deswegen versuchen, in Form eines eigenen Content Hubs, wie auch immer der aussehen mag, Präsenz zu zeigen. Und Stärke.

Granaton: Wie schaut der ideale Content Hub aus?

Doris Eichmeier: Das kommt auf jede einzelne Firma an. Je nachdem, wer welchen Inhalt hat, und wie aktuell die Inhalte sind. Da gibt es nichts von der Stange. Wichtig wäre aber, dass man die Content Hubs mit sehr viel Personalisierung versieht. Ich glaube, dass gute, qualitativ tiefe Inhalte umso besser wirken, je persönlicher sie sind. Wenn der Autor sich zu erkennen gibt. Also nicht die Marke als solche, sondern wenn man die Autoren als Individuen kennen lernt.

Granaton: Machst du das so, wenn du dich selber in Form von Artikeln in die Öffentlichkeit begibst, dass du dich als Autorin entsprechend darstellst? Umgibst du dich als Autorin mit einem Mythos?

Doris Eichmeier: Nein. Ich brauche keinen Mythos. Das Thema Content ist spannend genug. Und toll genug, und streitbar genug. Wenn ich mit meinen Thesen und mit meinen Erfahrungen etwas dazu beitragen kann, dann ist es gut.

Der Content Commerce SUMMIT beginnt am 01. Juni mit dem Workshop „Die Grundlagen Ihres Erfolgs: Was Sie über Content-Analyse und Content-Strategie wissen müssen“ mit Doris Eichmeier. Last Minute Tickets können Sie bis 31.05. auf Eventbrite kaufen.

Merken Sie sich auch den Termin für die nächste Content World vor. Sie wird von 17. bis 18. Oktober 2016 in Frankfurt stattfinden!

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