Groß, größer, Grosse

mein schreibtisch, das schneefeld

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Wochenlang dachte ich darüber nach, was ich über Katharina Grosses Ausstellung „mein schreibtisch, das schneefeld“ schreiben könnte. Ich war bei der Eröffnung im moabiter Stadtlabor Kurt Kurt, war begeistert, habe mit vielen Menschen gesprochen, fotografiert und Eindrücke gesammelt. Doch was auch immer ich verbal versuche: Ich habe diesem Werk nichts hinzuzufügen. Es ist perfekt. Ausgewogen. Emotional. Schön. Temporär zeitlos. Aufregend. Da wäre jedes Wort der Definition, Referenz oder ausschweifenden Interpretation ein Wort zu viel.

Natürlich könnte ich jetzt erzählen, dass Katharina Grosse eine der faszinierendsten Künstlerinnen der Gegenwart ist, die künstlerische Dimensionen neu festlegt und ich schon lange begeisterte Abonnentin von ihr bin. Sie stellt in den großen Museen dieser Welt aus, ist Professorin an der Kunstakademie in Düsseldorf. Aber das kann man auch auf Wikipedia nachlesen.

Oder ich könnte wiedergeben, welchen Hintergrund dieser Raum Kurt Kurt  hat. Dass er im Geburtshaus von Kurt Tucholsky liegt, in dem berliner KünstlerInnen Ausstellungen veranstalten. Und die Situation der Kunstszene in Berlin beschreiben, die nicht unwesentlich von den vielen Räumen lebt, die von Künstlern für Künstler betrieben werden. Aber das ist ein eigener Beitrag, für den ich Material sammle.

Ich kann vielleicht schildern, was Katharina Grosse mir über den Hintergrund der Arbeit erzählt hat: Zehn Meter von ihrem Haus entfernt, neben ihrem Atelier, wurde ein Baum gefällt. Auf ihre Nachfrage hin bekam sie das Holz, entrindete es und lagerte es über den Winter vor ihrem Atelier. Der ehemalige Baum wartete ein Jahr auf seinen großen Moment. Ein schwieriges Unterfangen, ihn in Ausstellungen zu inszenieren, da in einem natürlichen Umfeld wie unbehandeltem Holz auch Bakterien und andere Lebewesen existieren, die unter Umständen Kunstwerke in einem Museum beschädigen können. Doch Katharina Grosse betrachtet den Baum selbst als starkes Bild – als gewachsenes Material ist es als Oberfläche für ihre Malerei „toll“ (im Kurt Kurt stören Kleinstlebewesen nicht). Ich sehe das auch so. Toll ist diese Bildinstallation geworden, in der Werk, Natur, Raum und Mensch eins werden. Katharina Grosses Outfit passte auch gut dazu, es stammt von Biest Berlin.

Verraten kann ich noch, dass die Malerei, der Baum und alle Käfer, Würmer oder Bakterien darin nach dem Ende der Ausstellung entsorgt wurden. Ich bin froh, dass ich die Gelegenheit hatte, die Situation vor Ort zu beobachten. So etwas sieht man nur einmal im Leben.

 Bildstrecke „mein schreibtisch, das schneefeld“ von Katharina Grosse, Eröffnungfotos vom 21.08.2013

 

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