Kann die Software Ghost eine Blog-Alternative zu WordPress sein?

Schade, derzeit noch nicht.

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Die junge Blogsoftware Ghost ist im weitesten Sinne ein Spross von WordPress. Gründer der deklarierten non-for-profit „Ghost Foundation“ mit Sitz in London ist John O’Nolan – Blog-Experte großer Unternehmen und ehemaliger Leiter des WordPress User Interface Teams.

Seine Produktidee ist grundsätzlich interessant und unterstützenswert: Ein schlankes, schnelles System, das speziell für Blogs perfektioniert ist und mit ausgefeiltem Interface designt ist. Ebenso wie WordPress ist es als nicht-proprietäre Software offen und kostenlos verfügbar. Mir gefällt dieser Ansatz bei Ghost sehr gut – ebenso wie vielen InvestorInnen der ersten Stunde. Über Kickstarter sammelte Ghost im ersten Anlauf bereits 300 000 Dollar ein. Ich wollte diese Blogsoftware jetzt endlich einmal ausprobieren, nachdem sie Ende 2013 auf den Markt kam, und habe zahlreiche Artikel darüber gelesen.

Es gibt bereits ein paar Hoster, nicht zuletzt die Ghost Foundation selbst, die nach einer Registrierung die Software und Webspace ebenso wie weitere bezahlte Services zur Verfügung stellen. Der Premium-Betrieb von einem Blog kostet bei Ghost.org ab 60 Dollar pro Jahr. Das entspricht natürlich nicht der Grundidee von WordPress.org, jeder Person dieser Welt die Möglichkeit zu geben, die Software kostenlos selbst auf eigenem Speicherplatz zu hosten, sondern folgt eher dem Geschäftsmodell von WordPress.com. Doch auch Ghost bietet den Download der aktuellsten Software und Selbsthosting frei an. Doch im Vergleich zu WordPress ist die Installation eine beinahe unüberwindbare Hürde.

Ghost basiert auf der serverseitigen JavaScript Plattform Node.js. Sie ist ein Spross des Chrome Browsers und für eine große Anzahl gleichzeitig bestehender Netzwerkverbindungen geschaffen. Bevor man Ghost aufsetzen kann, muss man Node.js auf seinem Server installieren. Allein schon dieser Schritt wird viele UserInnen davon abhalten, Ghost einzusetzen. Im Gegensatz zu PHP ist Node.js keinesfalls Standardsoftware bei Internet Providern.

Ich betreibe einen eigenen V-Server und habe die Installation selbst versucht. Ich bin keine Programmiererin und schon gar kein Serverprofi. Kenne ein paar einfache Grundbegriffe des Serverbetriebs und habe damit schon wesentlich mehr Wissen, als eine durchschnittliche WordPress BenutzerIn.
Nachdem ich die aktuellste Version von Node.js aufgesetzt hatte, installierte ich Ghost – die erste Fehlermeldung erschien: Ghost benötigte eine ältere Version von Node.js. Von diesem Moment an versuchte ich alles, um so weit zu kommen, dass ich das System zumindest einmal im Livebetrieb testen kann, doch nach einem ganzen Tag zwischen Foren, Artikeln und serverseitigen Eingaben gab ich auf. Die Errors nahmen kein Ende. Hatte ich ein Problem gelöst, trat gleich das nächste auf. Von der megaeinfachen 5-Minuten Installation von WordPress ist Ghost Lichtjahre entfernt.

Natürlich könnte ich mich jetzt mit AnsprechpartnerInnen der Ghost Foundation in Verbindung setzen und um Hilfe bitten. Oder ich könnte eine Ghost Fangemeinde suchen und hoffen, dass ich InsiderInnen finde, die diese Probleme bereits gelöst haben. Wahrscheinlich werde ich das sogar tun, sobald ich einen weiteren freien Tag Zeit für die Installation finde. Doch mein erster Testlauf dahingehend, ob Ghost derzeit schon für BloggerInnen eine sinnvolle Alternative zu WordPress darstellen kann, ergibt momentan noch ein klares NEIN – und das kann ich guten Gewissens sagen, noch bevor ich das Produkt im Livebetrieb testen konnte.

Warten wir einfach noch ein Weilchen, wie sich Ghost entwickeln wird. Ob es sich weiterentwickeln wird. Denn die Grundidee, wie bereits oben im Artikel erwähnt, gefällt mir nach wie vor sehr gut.

[Ergänzung vom 22. August 2014] Ein aktueller Artikel von einem ehemaligen Ghost-User zeigt, dass Ghost auf einem guten Weg ist. Dass die Umstellung von einem umfangreichen CMS wie WordPress auf eine ultimativ abgeschlankte Markdown-Umgebung jedoch kein leichter Weg ist.

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