Meister Eisy

Soeren Eisenschmidt für dreißig Tage - von denen er an achtundzwanzig nicht erreichbar war.

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Soeren Eisenschmidt flat

Neulich rauschte eine Nachricht durch den Clickwald von Facebook: Soeren Eisenschmidt, seines Zeichens selbsternannter SEO-Experte, wird flat! Wie eine Flunder? Nein, nein. Wie die Telekom!

Fünfzehn Leute pro Monat können ein Coaching-Abo per Telefon mit ihm abschließen, hat er angeboten, und ihn zu Bürozeiten anrufen oder anskypen so oft sie wollen. Ihm Fragen zum Thema Google, SEO, Schildkröten… stellen.

Jetzt einmal ganz abgesehen davon, dass es immer schön ist, mit Eisy zu plaudern, fand ich das unter psychologischen Gesichtspunkten recht attraktiv. Wenn man Freunde um einen Gefallen bittet, dann ist das ja doch meistens eine verschämte Angelegenheit. Wenn man irgendwo anruft und pro Minute bezahlen muss, wird das ein Gehudle. Aber wenn ich genau weiß, dass ich anrufen kann so oft ich will, dann ist das ein Deal, und wenn ich keinen Cent mehr bezahle als vereinbart, auch wenn ich 20 Mal anklingle pro Tag, dann ist das doch recht entspannt. Meistens läuft es ja doch darauf hinaus, dass man ein paarmal nett plaudert und dann ist der Monat auch schon um.

Einfach mal probieren, habe ich mir gedacht, und einen Monat lang auf Onpage Optimierung, SEO und Content Marketing konzentrieren – unter der Leitung von Meister Eisy.

Lektion N°1: Schreib für die Leute und nicht für Google. Aber zeig Google, worum es bei dir geht. Schreib nicht nach Tools und Statistiken aber benutze sie, um dir Inspiration und Hilfe zu holen. Und produziere einzigartigen Content, damit Google gar nicht anders kann, als dich zu listen, weil der Suchmaschine sonst etwas Wichtiges entgeht.

Aufgabe N°1 für mich als SEO-Lehrling: Eine gute Seite mit gutem Content zu einem bestimmten Keyword erstellen. Mit Überschriften, Texten, Verlinkung und Bildern. Und Bildbeschreibungen – sie sollen so verfasst sein, super Tipp, Eisy, dass sie Blinden den Bildinhalt erklären.

Textlänge: Ungefähr 300-500 Worte. Immer wieder unterbrochen durch Listen, Tabellen und Bilder, Bilder, Bilder. Die Leser sollen schnell „scannen“ können, worum es in einem Artikel geht.

Als Keyword suche ich mir „Internetpräsenz“ aus. Eisy wirft seine Onlinetools an und sucht nach passenden Begriffen, die von anderen Websites in diesen Kontext benutzt werden. Maximal acht Mal kommt das Wort in anderen Beiträgen vor, ich soll aber nicht spammen mit Keywords, wenn ich drei- oder viermal „Internetpräsenz“ im Text unterbringe, dann reicht das vollkommen, meint Eisy und erklärt mir, ich soll mich leicht über Mitte der Kurve bewegen.

Die anderen angezeigten Begriffe wie „Wörterbuch“ oder „Webangebot“, die im Kontext mit „Internetpräsenz“ häufiger vorkommen, kann ich da gut einbauen, kein Problem. Inspirieren lassen kann ich mich dadurch, aber mehr auch nicht. Nicht von Charts Inhalte diktieren lassen. Na gut. Dann mache ich das doch einfach mal, Meister Eisy!

Das Tool, das Soeren benutzt, heißt Onpage, es ist kostenpflichtig und wird primär von professionellen SEOs und Onlinemarketingexperten benutzt. Einen temporären Testaccount kann man leider nicht bekommen, aber man kann über die E-Mail Adresse support[at]onpage.org Zugang zu einem Demo-Account erfragen, über den auch eine Menge Möglichkeiten für eigene Texte und individuelle Optimierung genutzt werden können. Alternative Vorschläge kann man auch auf anderen Plattformen recherchieren, wie beispielsweise mit dem Kai Keyword Tool oder Ranking Check. Eine gratis WDF*IDF Analyse bietet das Onpage-Tool.

Jetzt setze ich mich mal gemütlich hin und mache eine Keywordsammlung. Überlege mir, worüber ich eigentlich schreiben will. Dann schreibe ich, suche Bilder, setze Links… und morgen wird alles korrigiert. Fühlt sich ein bisschen so an, als würde ich wieder die Schulbank drücken – ohne Klassen und Stundenplan, dafür mit jederzeit-Coaching und Motivation. Wäre das nicht ein neues Schulmodell? Ein viel effizienteres als das aktuelle?

<Nachtrag 19.10.2013>

Soeren Eisenschmidt ist nicht erreichbar

Oh weh. Das hat nicht so gut funktioniert, die Sache mit Soeren Eisenschmidt und seiner 30-tägigen Flatrate. Es hat schon schwierig angefangen. Nachdem Eisy sein Angebot auf Facebook bekannt gemacht hatte, schickte ich ihm über ein Formular auf seiner Website eisy.eu eine Anmeldung, bekam jedoch nie eine Bestätigung, weder per Mail noch telefonisch. Ich musste ihm hinterhertelefonieren und ihn fragen, ob denn alles gebucht ist und wann wir beginnen. Er sagte zu, vereinbarte mit mir den 22. Juli als Starttermin. Den ganzen ersten Tag, Montag, war er nicht erreichbar.

Am Dienstag hielten wir ein ausführliches Schwätzchen, ich schilderte ihm meine berufliche Laufbahn, er erzählte mir von seiner Familie. Und wir besprachen die im oben stehenden Text beschriebenen Grundlagen für die Suchmaschinenoptimierung von Texten. Ich schrieb darüber diesen Artikel, Eisy teilte ihn auf Facebook, er kursierte fröhlich und Eisy bekam dadurch zwei neue Abonnenten. Da war er schon – gelinde gesagt – schwer zu erreichen. Er nahm zur vereinbarten Zeit meine Anrufe nicht an, schickte mir nur kurz vor Büroschluss eine Nachricht, in der er mich auf später vertröstete, und schließlich sprachen wir noch einmal rund eine Dreiviertelstunde miteinander über Wdf*idf. Das war das letzte Mal, dass ich von ihm hörte. Hatte er mir schon alles erklärt, was er über SEO wusste?

Er war den ganzen Donnerstag für mich nicht mehr ansprechbar. Am Freitag auch nicht. Postete aber öffentlich auf Facebook, was für gute Gespräche er geführt habe mit zwei männlichen Kunden. Ich verstand dieses Verhalten nicht. Habe noch versucht, ihn über Skype zu kontaktieren, schickte auf Facebook eine PN hinterher, doch er reagierte auf keine einzige Nachricht mehr. Bis heute hat er mir weder eine Absage noch einen alternativen Terminvorschlag geschickt, auch von einer Entschuldigung kein Ton.

Ein Kunde von ihm, der von sich selbst behauptete, sein Nachbar zu sein und einen „persönlichen Draht“ zu ihm zu haben, erzählte mir Wochen später, dass Soeren Eisenschmidt diese Flatrate für Leute angeboten habe, von denen er etwas lernen könne – bei mir sei das angeblich nicht der Fall. Man kann sich vorstellen, dass ich über solches Gerede einigermaßen schockiert war. Denn dass das allenfalls eine fadenscheinige Ausrede sein kann, muss jedem klar sein, der meinen Hintergrund kennt. Wer von einer Frau wie mir, die mit zwei akademischen Abschlüssen seit ihrem sechzehnten Lebensjahr in den Bereichen Journalismus/Film – Kunst/Kultur – Marketing/PR selbstständig tätig ist, nichts lernen können will, der hat ein anderes Problem.
Welches das sein könnte, errät man unschwer, wenn man sich die Fotos von Soeren Eisenschmidts Seminaren anschaut, die er auf Facebook teilt. Man sieht dort nur Männer. Er kommentierte im Kontext einer öffentlichen Genderdiskussion auf Facebook recht anschaulich, welches Kriterium für ihn wichtig ist, wenn es um Suchmaschinenoptimierung geht: „EIER in der Hose“.

Biologieunterricht geschwänzt, Soeren Eisenschmidt? Männer haben keine Eier.

</Nachtrag>

4 Gedanken auf "Meister Eisy"

  1. Rene Antworten

    Hey Granat On,

    dann mach ich hier mal den Anfang. Dann brauchst Du die Frage auch nicht mehr zu stellen wie man es schafft, dass die Leute mehr kommentieren;)

    Schön geschriebener Text! Liest sich wirklich flüssig und geht sehr locker von den Lippen. Einzig merkwürdig fand ich den Abgang. Wirkte etwas abgehackt, dachte da würde noch mehr Text kommen, doch das war dann schon das Ende. Eigentlich ein Beweis dafür dass Dein Schreibstil gut ist, andernfalls habe ich irgendein Fazit oder zumindest eine Verabschiedung vermisst. Wie wäre es denn mit einer Signatur am Ende aller Deiner Texte, a la

    Eure Granat On

    Der Erfolg von Eisy und Co. kommt übrigens auch da her, dass die Jungs (sind ja kaum Mädels) als Persönlichkeit und unter einem (Pseudo)Namen in Person auftreten. Bin mir sicher, dass die individuelle Note auch Dir hier zu mehr Feedback verhilft.

    Hab nen schönen Abend,
    René

  2. Dominik Horn Antworten

    Hi Granat On,

    das ist doch mal ein schöner Artikel. Mir ist auch kein weiterer zu diesem Service von Eisy bekannt – somit hast du damit schonmal ins Schwarze getroffen und für einzigartigen Content gesorgt ;)

    Hast du weitere Artikel geplant um deine Optimierung zu beobachten und auszuwerten?

    Ein paar grundlegende Tipps zum Thema Onsite-Optimierung findest du auch hier: http://www.seo-onsite.de

    • Granaton Antworten

      Hallo Dominik,
      Auf deiner Seite stehen prima Tipps! Danke für den Link.
      Ja, natürlich werden weitere Artikel über Optimierung und Sichtbarkeit folgen – dies ist ein Logbuch über die Entstehung einer Internetpräsenz, Usability und SERPS gehören untrennbar mit dazu!
      Granat On

Teilen Sie Ihre Meinung mit