Netzkultur als Konferenzformat

Drei Abende im Haus der Berliner Festspiele aus drei Perspektiven

Geschätzte Lesezeit: 27 Minuten

Netzkultur war eine dreiteilige Konferenz an drei nicht aufeinander folgenden Abenden in Berlin, mit dem Ziel, kulturelle Entwicklungen in Bezug auf das Internet zu diskutieren. Sie wurde veranstaltet von der Bundeszentrale für Politische Bildung in Kooperation mit den Berliner Festspielen. Die erste Ausgabe feierte am 30.11.2013 Premiere: „Technologie-Evolution – wo wir herkommen“. Die zweite Ausgabe fand am 18.01.2013 statt, der Titel war schon etwas provokanter: „Die stumme Masse“. Bei beiden Gelegenheiten war ich als Bloggerin mit im Spiel, Sie finden meine Reviews in diesem Artikel. Für die dritte Ausgabe mit dem Überthema „Digitale Identitäten“, die den saftigen Namen „Identity sucks“ bekam, wurde ich von Kuratorin Nikola Richter eingeladen, eine Präsentation über das Pseudonym zu halten.

Das Programm der ersten Ausgabe empfand ich kontroversiell. Die zweite Ausgabe erlebte ich ich insgesamt als viel interessanter. Grooviger, lustiger und weniger mainstreamig. Netzkultur III war dadurch, dass ich nicht mehr reproduzierende Bloggerin war, sondern als Vortragende vor Ort war, wesentlich weniger von Inhalten geprägt für mich, als vielmehr von Gesprächen mit TeilnehmerInnen und BesucherInnen.

Netzkultur III – Identity sucks, 22.02.2014

Es ist ein nicht zu unterschätzender Unterschied, ob man mit der Intention, einen Beitrag zu schreiben zu einem Event geht, oder ob man selbst zu den Inhalten beiträgt. Es ist ein Seitenwechsel, wie er radikaler nicht sein könnte. Bin ich im Boot oder bin ich auf dem Boot? Bleibe ich in sicherer Distanz und beobachte, oder muss ich darauf achten, dass das Schiff vorankommt?
Bei Netzkultur III hielt ich einen Vortrag über Pseudonyme im kommenden Web 3.0, ausgehend von juristischen Grundlagen für Künstlernamen in Deutschland. Ich hatte dafür einen Zeitslot von einer halben Stunde. Vor der Veranstaltung ging ich noch davon aus, dass ich durchaus in der Lage sein würde, einen Blogbeitrag auch über diesen dritten Abend zu schreiben. Aber da täuschte ich mich. Vor meinem Auftritt war ich konzentriert, danach sprach ich mit anderen PanelistInnen und BesucherInnen über Pseudonyme. Der junge Lyriker Tristan Marquart konnte ganz konkret mit den Inhalten arbeiten, die ich ihm vermittelte. Er führt seit über einem Jahr einen Künstlernamen, der für ihn große Bedeutung hat und auf den er auch Rechnungen ausstellt. Meine praktischen Tipps hinsichtlich der organisatorischen Gegenbeheiten für Künstlernamen in Deutschland in Bezug auf Finanzämter und Steuerberater bezeichnete er als „wichtigste Information des Tages“. Solche Momente geben mir sehr viel Energie und Motivation, mich weiterhin mit dem Thema an die Öffentlichkeit zu wenden.
Ich sah lediglich einen einzigen Vortrag, Selfiepublishing von Christiane Frohmann, der sehr humorvoll und kreativ war. Fotografierte nicht einmal mehr. Ich knipste nur ein paar schnelle Erinnerungsbilder für Facebook und ging früh nach Hause.
Ist es von Vorteil, im Boot zu sein? Es war eine interessante Erfahrung für mich, innerhalb ein- und derselben Veranstaltung die Seiten zu wechseln. Ich werde mich auch in Zukunft entscheiden müssen. Die innere Haltung ist anders. Das feste Ufer der Beobachtenden gibt mehr Sicherheit, das schwankende Boot der Vortragenden mehr Aussicht auf neue Welten. Ich kann nicht aus beiden Perspektiven gleichzeitig wahrnehmen. Auch wenn es den Anschein haben mag, dass es keinen Unterschied macht, ob man erst gibt und dann nimmt oder erst nimmt und dann gibt.

Netzkultur II – Die stumme Masse, 18.01.2014

Wenn man eine Konferenz besucht, die mehrere Panels parallel anbietet, stellt sich immer die gleiche Frage: „Wohin gehe ich?“. Meistens sucht man sich die Themen nach inhaltlichen Präferenzen aus, manchmal auch unter dem Aspekt Bekanntheit der PanelistInnen. Manchmal schließt man sich anderen KonferenzbesucherInnen an und hin und wieder sucht man sich schlichtweg die Veranstaltungen aus, die nicht online gestreamt oder aufgezeichnet werden, denn die kann man sich im Nachhinein nicht anschauen.
So ging es mir auch vergangenen Samstag. Die Zeittafel von Netzkultur war extrem dicht. Ich entschied mich zu Beginn aus persönlichem Interesse für „Erfolgsstrategien und Chancen für digitale Kultur-Kampagnen“. Saalordner wiesen mir den Weg in den ersten Stock im Haus der Berliner Festspiele. Oben, auf den Rang links.
Das Setting war ungewöhnlich. Anstelle einer Bühne war auf der Empore des großen Festsaals an der Balustrade ein Mikro mit Tischchen und Lautsprechern aufgebaut. Das Vortrags-Screening wurde jedoch auf die Projektionswand des abgedunkelten, dahinter liegenden Bühnenraums geworfen. Die digitalen Bilder schwebten folglich weit entfernt von den Vortragenden über einem tiefen, schwarzen Abgrund. Der Ton verbreitete sich im ganzen Raum, fast wie in einer Kirche, während die Diskurssituation mit gemütlichem Publikum eher intim und klein gestaltet war. Das gab den Inhalten der Präsentationen ein ganz besonderes Volumen, eine Art eigenen Lebensraum.

Paula Hannemann von Change.org stellte in einer kurzen Übersicht die Möglichkeiten und Wirkungen dieser Onlineplattform vor. Hier können Kampagnen gestartet werden, um für Unterstützung durch Menschengruppen zu werben, die für Entscheidungsträger ein Relevanzkriterium darstellen können. Die Unterstützung erfolgt durch digitale Unterschriften, die zwar gesetzlich nicht bindend sind, man kann folglich beispielsweise kein Volksbegehren damit durchführen. Doch man kann Trends darstellen, Stimmungen sammeln, Wählerstimmen andeuten, die sich für bestimmte Sachverhalte einsetzen, change.org also als Mobilisierungstool einsetzen. Die pure Anzahl an UnterstützerInnen einer Idee kann bereits überzeugend sein, um nachhaltig Veränderungen herbeizuführen.

Paula Hannemann | Change.org

Es wurden auch einige schöne Beispiele für herausragende Erfolge vorgestellt: Frauen in Bangalore wollen im öffentlichen Nahverkehr vor sexueller Belästigung geschützt werden, die Unterschriften liegen im mittleren fünfstelligen Bereich. Bereits 234.681 UnterzeichnerInnen möchten das Gefangenenlager Guantanamo geschlossen sehen. Und lesbische Frauen in Südafrika haben erreicht, dass „Corrective Rape“ heute als kriminelle Straftat betrachtet wird. Paula Hannemann formulierte es kurz und knapp: „Connectivity leads to empowerment“. Dies gilt einerseits für die Plattform selbst, deren UserInnenzahl beständig anwächst. Andererseits natürlich auch für die gestarteten Campaigns. Für Macht braucht man Mut, für Veränderungen braucht man Menschen.

Paula Hannemann | Change.org - Mut

Das in Delaware gegründete Unternehmen Change.org mit einem guten Dutzend Dependancen weltweit wurde vom Standford-Absolventen Ben Rattray gegründet, ursprünglich mit der Absicht, eine Bloggerplattform einzurichten. Aufgrund ausbleibender UserInnenzahlen und einem Schlüsselerlebnis hinsichtlich der Notwendigkeit von Onlinepetitionen entstand Change.org. Wobei es sich hierbei nicht, wie gerne beschrieben, um eine rein gemeinnützige Organisation handelt, so wie beispielsweise Wikipedia eine ist, sondern um eine amerikanische for-profit Kapitalgesellschaft, deren Geschäftsmodell darauf aufbaut, für Gesellschaft und Umwelt einzutreten und primär durch Spenden und gesponserte Petitionen finanziert zu werden, auch „Benefit Corporation“ genannt. Eine Art Hybrid zwischen Wikipedia und Facebook. Werbefrei und offen zugänglich, dennoch mit social Geschäftsmodell im Hintergrund, dessen Wert mit jeder UserIn anwächst.

Durchschnittlich vier Kampagnen haben UserInnen unterzeichnet, bevor selbst eine gestartet wird, hat Paula Hannemann beobachtet. Eine erfolgreiche Petition zu erreichen, ist eine eigene … jetzt hätte ich fast „Kunst“ geschrieben. Sie beruht auf bestimmten Erfahrungswerten, die sorgfältig beobachtet werden. Folglich beraten die MitarbeiterInnen von Change.org auch in besonders interessanten Fällen die Antragsteller – 5-10% der Kampagnenideen werden gecoacht.
Ich finde das sehr spannend und werde die Entwicklung im Auge behalten. Ein Profil habe ich jetzt angelegt.

Multitalent John Ngo, der eine Plattform für Buchbesprechungen aufgesetzt hat, bei einer Expertise, die zwischen Webentwicklung, UX und Onlinevertrieb liegt, hatte eine Präsentation mit dem Titel „Nach Facebook – Einführung in neue Web-Gemeinschaften“ vorbereitet. Natürlich interessiert mich das sehr. Ich wollte gerne hören, was wohl den Giganten Facebook ablösen könnte. Doch wie es so oft der Fall ist, hat die Beschreibung die Geister gerufen, die sie überwinden wollte – ich habe in diesem Panel sehr viel über Facebook erfahren.

John Ngo
John Ngo hat den interessanten Vergleich zwischen Militäreinheiten und social media Kontakten gezogen. So hat er festgestellt, dass Army Unit Sizes üblicherweise 100 Mann stark sind. Eine TwitteruserIn hat normalerweise 100 – 200 Connections. Und Facebook liegt bei durchschnittlich 250 Kontakten. Dabei beziffert er Verbindungen, die tiefergehende Bedeutung bekommen, bei 50 Kontakten auf 3 bis 4. Bei 250 auf 5 bis 7. Und bei 500 auf 10 bis 15. Ob nun in der Armee oder in einem sozialen Medium. Spannend, oder?
Ich kann mich gar nicht mehr so genau daran erinnern, was er darüber hinaus noch erzählt hat. Diesmal war Fotograf Nick Nampaul nicht an meiner Seite, so wie bei der letzten Ausgabe – ich habe selbst fotografiert. Ich versuchte mehrfach, ein gutes Speakerfoto von John Ngo zu schießen, mit Mikro und Blick ins Publikum, aber ich schaffte es nicht. Er sah nämlich die ganze Zeit nach unten, auf seinen Laptop. Das ist die Krux an multimedialen Präsentationen mit virtuellen Projektionen. Ständig hat man dieses Gerät an der Backe, das Aufmerksamkeit will. Einerseits soll man zu den Leuten sprechen wie ein TV-Moderator, andererseits soll man gleichzeitig selbst die Einblendungen überwachen und Übergänge steuern. Einerseits soll man als Person Präsenz zeigen und Kompetenz ausstrahlen, andererseits soll man möglichst sexy Bilder vorbereiten, die die BesucherInnen wie Ikonen in den Bann ziehen. Irgendwie widerspricht sich das. Ich selbst bin davon abgegangen, Bilder während meiner Präsentationen zu zeigen. Meine Worte erzeugen Bilder im Kopf. Ich will selbst Ikone sein. :) Stattdessen bereite ich gerne Handouts vor. Die Aufmerksamkeit des Publikums wird so nicht in den Raum hineingesaugt, weg von unserem Gespräch, die Leute können etwas mitnehmen – und meine Domain steht auch darauf.

John Ngo | Netzkultur

An eine sehr schöne Folie kann ich mich aber noch erinnern. Darauf stand in Weiß auf Schwarz: „A computer is like a bicycle for our minds“. Das ist hübsch, nicht?
Die abschließende Publikumsdiskussion mit John Ngo drehte sich nur um Facebook. Immer weitere Details wollten die BesucherInnen darüber wissen. Von diesem Ungetüm geht eine Faszination sondergleichen aus, versteh ich gut. Wer solche Fragen vermeiden will, muss seinen Vortrag anders nennen. Beispielsweise: „Soziale Medien in 80 Tagen“ oder „Diversität im Vernetzen“.

Das ist halt so, bei Konferenzen, man will gerne netzwerken und mit den Leuten reden, aber wenn das Programm so dicht ist wie hier, dann muss man sich entscheiden zwischen Content oder Connection. Ich skippte die afghanische Graffitikünstlerin Shamsia Hassani via Skype, verdammt, zugunsten eines spannenden persönlichen Austauschs mit Paula Hannemann. Sie hat mir einige Ideen gegeben und mich ermutigt. „Mach eine Petition!“. Warum eigentlich nicht?

Um 19:30 wollte ich zum Vortrag von Geert Lovink, aber da lief noch ein „Public Soundcheck“ mit Königleopold über Youtube-Hits und ähnliche Themen. Österreicher in trauter Runde, ein fröhliches Publikum und ein lustiger Moderator namens Stefan Adrian, da musste ich gleich ein Foto machen.

Königleopold mit Stefan Adrian

Ganz ehrlich? Ich weiß nicht, wer Stefan Adrian ist und die Boyband Königleopold kenne ich erst seit ein paar Tagen durch Konferenzkuratorin Nikola Richter. Via, klar, einen Facebookpost mit Youtube-Link. Ich bin schon so lange out of Austria, dass ich mit der Szene überhaupt nicht mehr vertraut bin. Aber der pure Anblick dieser drei Herzerln war so erfrischend, dass meine Kamera mehr wollte, als nur einen ich-bin-zu-spät vonhinten Schnappschuss. Die Linse liebt sie. Ich habe Lukas König und Leo Riegler in den Backstagebereich begleitet.
Dieses Haus der Berliner Festspiele ist ja so riesig! Das glaubt man gar nicht, wenn man davor steht und die glatte, minimalistische Fassade anschaut. Wir sind durch ein Gitter geschlüpft und gemeinsam durch den Theatersaal in Richtung Notausgang (Rauchpause) geschlendert. Der Eiserne Vorhang (ja, so heißt diese Blechwand in Theatern wirklich) hat den Beiden als Kulisse gut gefallen, ich habe sie davor portraitiert. So ist der folgende wunderbare Schnappschuss entstanden, der schon seit zwei Tagen auf Facebook kursiert und mittlerweile fast 100 österreichische Likes abbekommen hat. Hach! Heimat! (Liebes Berlin, hör nicht hin.)

Königleopold backstage

Er schien die theoretische Hauptattraktion des Abends zu sein: Ein einstündiger Vortrag vom niederländischen Medientheoretiker Geert Lovink war angesetzt. Der Titel: „Die Macht der Echtzeit – Social Media als künstlerische Intervention“. Ich erhoffte mir davon erhellende Einsichten. Habe mir das auch gerne alles angehört. Das Internet aus „akademisch-theoretischer Sicht“. Ich fand mein empirisches Wissen in vielerlei Hinsicht bestätigt, habe aber nichts Neues gelernt. Mir fiel der Satz eines jungen berliner Assistenzprofessors ein, der mir augenzwinkernd bei einem Mittagessen sagte: „An der Universität ist die Vergangenheit die Gegenwart“. Ja, genau. Man kann sich die ganze Session von Geert Lovink auf Soundcloud anhören, wenn man mehr über Kränkung, Snowden und die Arbeit von Geert Lovink selbst wissen möchte. Was mich in diesem Vortrag sehr zum Schmunzeln brachte, war die Anmerkung, dass die Schweiz jetzt sichere nationale Cloud-Services anbietet. Das hatte ich bisher noch nicht auf dem Schirm. Die Schweiz baut auch virtuell auf ihrem jahrhundertelang gewachsenem Image der Verschwiegenheitskultur auf. Herrlich. Ansonsten: Nichts über Echtzeit und nichts über künstlerische Prozesse in sozialen Medien. Auch auf direkte Nachfrage von Kuratorin Nikola Richter nach der Rolle der Künstler in der Updatekultur erzählte er überholtes 08/15 Geplauder. Die interessantesten Aspekte (die sich einmal mehr gern um Facebook drehten) kamen aus dem Publikum. Sie provozierten den besten Satz des Vortrags von Geert Lovink: „Lamentieren hilft uns nicht – eine Rückkehr zur Offlineromantik ist keine Lösung.“

Nikola Richter, Geert Lovink

Eine der spannendsten Entdeckungen des Abends für mich war die Agentur Caper aus London, vertreten von Gründerin Rachel Coldicutt. Sie hat sich auf Onlineprojekte im Kulturbereich spezialisiert und verwendet „Technologie, um in der Kunst zu improvisieren“. Schauen Sie sich die Beschreibung von „The Spirit of Schubert“ auf ihrer Website an. Und die anderen gelisteten Projekte. Rachel Coldicutt erzählte beispielsweise von einer App, über die man herausfinden kann, wann in Galerien wenig Publikumsverkehr stattfindet. Kooperationen zwischen KünstlerInnen und Techies werden gezielt gefördert. Ich finde das sehr inspirierend. Hier geht es tatsächlich um Social Media als künstlerische Intervention.

Rachel Coldicutt | Netzkultur

Das Beste kommt zum Schluss – na klar. Der Abend wurde – gekrönt – von Königleopold, die auf der Seitenbühne vom Haus der Berliner Festspiele unendlichen Krawall machen durften. So laut, dass vorsichtshalber Ohrstöpsel vor Betreten der Bühne verteilt worden sind. Ohne sie wäre ich gestorben. Ernsthaft. Das war so laut, so laut schaffen das nur Österreicher. Das hat da Tradition. Sehen Sie die gelben Knubbel auf dem untenstehenden Bild? Sie waren gratis. Zum Schutz der Trommelfelle. Wer sie nicht nutzt, ist selbst schuld. Meine Kamera war nicht dafür ausgerüstet, Videos bei so einem Schallpegel aufzuzeichnen. Ich habe es versucht und desaströse Resultate erzielt. Ist es ein Zufall, dass der König selbst beim Soundcheck Talk darum gebeten hat, ob man den Ton „a bissi lauter machen“ kann?
A propos „Österreicher“: Nicht, dass Sie glauben, es gäbe in so einem kleinen Land Einigkeit darüber, was das eigentlich bedeutet. Wer aus Wien kommt, hat es nicht überall leicht. Was man auch anhand so mancher Youtube-Kommentare erkennen kann.

Königleopold Netzkultur Konzert Publikum

Das Konzert war sehr unterhaltsam. Es wurde überstrahlt von Videos, die Performance-Situationen zeigen. Sie sind erneut sehr österreichisch gehalten gewesen. Absurdität gehörte zum guten Ton. Monchichis reloaded tanzten im Framefeuer. Ein schlecht verdautes Wiener Schnitzel mit Kartoffelsalat (meine Vermutung) entlud sich in eine gefälschte (meine Vermutung) Louis Vuitton Clutch. Und die Texte waren so – nennen wir sie eigenartig – dass ich ganz froh war, durch meine Kamera abgelenkt gewesen zu sein. Aber Deutsche mögen das gern, hin und wieder wären sie ja am liebsten genauso hemmungslos. Goschat. G´schissn. Großkotzat und dabei politisch. Sie schaffen es aber nicht. Nicht wahr? Oder kann irgendwer in diesem Land so „hoit die Goschn“ sagen, dass es nach Hundegebell klingt?

Königleopold Konzert Netzkultur

Als ich schon beim Verlassen der Konferenz war, erwischte ich endlich Kulturwissenschaftler und Konferenzpraktikant Victor Kuemel, der gerade frische Luft schnappte. Er hatte den ganzen Abend lang unermüdlich organisiert und gemanagt, beim Aufbau geholfen und beim Abbau unterstützt und war einfach nie vor die Linse zu bekommen gewesen, so wie bei der ersten Ausgabe von Netzkultur. Vermutlich kennt er nun jeden Quadratmillimeter im Haus der Berliner Festspiele in- und auswendig. Jetzt aber.

Victor Kuemel | Netzkultur

Netzkultur I – Technologie-Evolution – Wo wir herkommen, 30.11.2013

Sie kennen meine spitzen Finger schon, mein Zynismus kann cyanblau werden, wenn ich ein Event kritisiere. Zur Feier des Einstands der neuen Konferenz Netzkultur habe ich aber ausnahmsweise kein einziges nicht lobendes Wort verloren, sondern ausschließlich von meinen erfreulichsten, spannendsten, erbaulichsten, fröhlichen Momenten erzählt.

Die mediale Vorbereitung und Onlinepräsenz von Netzkultur: Top!

BloggerInnen wurden für die Vorberichterstattung gecasted. Die Facebookveranstaltungsseite war täglich frisch gepflegt am Start. Ein Twitter-Hashtag wurde eingerichtet. Das Programmheft mit Essays, umfangreich als PDF oder ePub vorbereitet, war bereits einige Tage vor Beginn der Veranstaltung online. Eine eigene Subdomain auf dem Server der Berliner Festspiele mit rundum schöner Landingpage wurde eingerichtet. Die mediale Aufbereitung der Netzkultur Konferenz vorab hätte kaum besser sein können. Vielleicht hätte ich für eine neue Veranstaltung einen etwas weniger generischen Titel gewählt, damit man auch online die Chance hat, in Suchmaschinen relevante Inhalte darüber zu finden, aber … Netzkultur ist noch im Rahmen des Sinnvollen. Ein schöner Anlass, den feinen Artikel auf ZEIT online über Obdachlose zu lesen, die Hilfe in Internetcafés finden, der zwar nichts mit der Veranstaltung zu tun hat, dafür aber mit dem Suchwort.

Netzkultur I, der große Tag: Wäre online zuschauen ausreichend gewesen – oder war die Präsenz vor Ort doch wichtig?

Was täten wir nur ohne Livestream? Am Vorabend der Netzkultur Konferenz war ich zu Gast bei einer Verabschiedungsparty eines rising Stars. Ich musste danach ausschlafen. Lang. Noch länger. So lange, dass ich um 13 Uhr immer noch Schlafsand in den Augen hatte. Die Eröffnung von Netzkultur sah ich mir folglich online an, was hervorragend ruckelfrei, intelligent von Clemens Nübel eingebunden auf der Startseite der Veranstaltung möglich war. Clemens ist verantwortlich für ausgefeilte Programmierdetails der Seite, aufbauend auf dem Design seines Bruders Viktor Nübel. Mit diesen beiden arbeitet man sicherlich gerne zusammen, das haben sie richtig gut gemacht.
Ein paar erste wohlwollende Beobachtungen über die Konferenz notierte ich mir bereits während des Streams. Kuratorin Nikola Richter schien sehr sympathisch. Ich wurde neugierig auf sie als Person und kratzte mir meine Krusten von den Lidern.

Netzkultur Kuratorin Nikola Richter

Netzkultur Kuratorin Nikola Richter mag Bloggerinnen. Die Sympathie ist ganz meinerseits. Der Wikipediableistift ist mein ständiger Begleiter.

Aus der Eröffnungsrede von Juli Zeh, noch via Netz genossen, extrahierte ich, dass sie Big Data Analyse plus Vorhersehbarkeit von zukünftigen Entwicklungen mit der Sehnsucht der Menschheit nach einem Blick in die Kristallkugel gleichsetzt. Eine inspirierende Analogie. Die Wahrsagerin der Zukunft heißt vermutlich Algo. „Mit meinen medialen Fähigkeiten ermögliche ich Ihnen eine einzigartige Lebensberatung und Zukunftsplanung auf allen Gebieten des menschlichen Daseins.“ finde ich im Google Snippet der Wahrsagerin Gabriele Hoffmann. Frau Hoffmann rankt auf Platz 1 der organischen Google Suche für das Keyword „Wahrsagerin“ (Respekt!). Man sollte ihr vorschlagen, mit Big Data Experten zusammenzuarbeiten, um mit Algo auch in Zukunft mithalten zu können …

Ach verflixt! Ich wollte nicht ironisch werden in diesem Text. Der geheimnisvoll umwobene, kilometerhohe Elfenbeinturm der Kultur, auf dessen Dachterrasse diese Konferenz stattfand, soll nicht durchschimmern durch meine Worte … Ich muss mich mehr anstrengen, wohlwollend zu sein. Konferenzrelevante positive Eindrücke zynismusfrei beschreiben! Ganz wichtig! Ernsthaft, bitte!

Netzkultur Außenansicht vom Haus der Berliner Festspiele

Netzkultur Außenansicht vom Haus der Berliner Festspiele

Das Haus der Berliner Festspiele liegt ein wenig abgesetzt von der Straße hinter Bäumen. Wer es nicht kennt, kann es auch nicht auf den ersten Blick identifizieren, es sei denn, große Beschilderungen oder Flaggen, eventuell ein roter Teppich und Limos vor dem Haus (wie bei der Berlinale) weisen optisch den Weg. Netzkultur hat diese Thematik wunderbar gelöst, indem im Haus mit Leuchtstofflampen im Obergeschoss Schriftzüge installiert wurden. Das Schlagwort „Netz“ leuchtete weit bis auf die Schaperstraße, auch die entlaubten Bäume davor konnten seiner Wirkung keinen Abbruch tun. Da hatte jemand einen guten Einfall. Ich vermute, es ist auch die gleiche Urheberschaft, auf die die spannende Gestaltung des Bühnenraums mit Schriftzügen aus Neonröhren zurückgeht. Ich muss herausfinden, wer die Szenografie des Events verantwortet. Auf der Website des Events ist der Name Gitti Scherer unter „Ausstattung“ angegeben. Ist das ein Name, den man sich merken sollte? Ich finde schon! Werfen Sie einen Blick auf ihre Homepage, lauter kreative, spannende Projekte. Würde ich eine Ausstellungsszenografie entwerfen lassen wollen, ich würde sie um ein Konzept bitten.

Reduziert wirkungsvoll: Die Lichtdramaturgie für Netzkultur war schön gelöst.

Reduziert wirkungsvoll: Die Lichtdramaturgie für Netzkultur von Gitti Scherer konnte sich schön entfalten.

Konferenzpraktikant Victor Kümel, der mit mir bereits die E-Mail Kommunikation über meine Bloggerakkreditierung geführt hatte, empfing mich freundlich und kümmerte sich kompetent um mein Gratisticket. Er blieb auch freundlich, als ich ihn mit der vollendeten Tatsache konfrontierte, dass ich noch zwei weitere Freitickets für Aktivistin Dee und Kamera-As Nick Nampaul brauche, organisierte alles mit einem Telefonanruf, ohne eine Miene zu verziehen. Ich konnte unverzüglich zwei weitere Tickets für den Namen Granat On beim netten Boxofficemann der Berliner Festspiele abholen, der mich schon aus Berlinalezeiten kennt. Jetzt einmal ganz davon abgesehen, dass Victor Kümel wahrscheinlich über jede körperlich anwesende TeilnehmerIn froh war, empfand ich das als sehr angenehm undeutschtypisch. Würde ich ihn als Assistent für ein kulturwissenschaftliches Projekt einstellen? Ja, würde ich.

Netzkultur Boxoffice

Das Netzkultur Boxoffice. Auch hier erweist sich das Internet als Segen.

Was der Livestream von Netzkultur dem internationalen Publikum alles vorenthalten musste

Meistens habe ich einen Plan A, wenn ich zu Konferenzen gehe. Ich suche mir eine Veranstaltung aus, mit der ich beginnen möchte, dann lasse ich mich vor Ort inspirieren. So auch diesmal. Mein Plan A hieß: Schau dir die Twittersprechstunde von Stephan Porombka an. Twittersprechstunde, das klang spannend! Eingängig als Begriff, witzig, so schön retro. Ich wollte wissen, welche Audienzen von Herrn Porombka wie umgesetzt werden. Wie eine Twitteranamnese geführt wird und welche Diagnosen sich in solchen Sprechstunden ergeben. Dieser Plan war goldrichtig. Als ich ankam im Haus der Berliner Festspiele, musste ich ein wenig herumfragen, wo die Twittersprechstunde zu finden ist, es war nämlich nirgends ein Hinweis darauf zu finden. Die netten Mitarbeiterinnen der Bundeszentrale für politische Bildung wiesen mir den Weg in den hinteren Bereich des Foyers, wo Herr Porombka ungezwungen mit einer ganzen Klasse von SchülerInnen im gehobenen Teenageralter auf Polstersesseln im Gesprächskreis saß. Sofort auffällig war der schwarze Filzhut, der in der Mitte der Runde auf dem Boden lag. Anstelle von einem Gamsbart prangte darauf ein blauer Twittervogel.

Netzkultur Twittersprechstunde mit Stephan Porombka

Netzkultur Twittersprechstunde mit Stephan Porombka und der Klasse 11c

Ich fotografierte ein paar Impressionen von der Gruppe. Herr Porombka fiel auf den ersten Blick durch sein interessantes Gesicht auf. Es hatten sich darin schon starke Mimikspuren eingegraben, so wie bei einem Menschen, der nicht nur oft und gerne mit Publikum kommuniziert, sondern auch im stillen Stübchen mit sich selbst diskutiert. Vor meinem geistigen Auge sah ich ihn an einem Schreibtisch in seinem Arbeitszimmer sitzen, umgeben von vielen, vielen Büchern. Immer, wenn er an einem Text arbeitet, so stellte ich mir das vor, dann versucht er, ihn auch gleich einem bald anwesenden Publikum zu vermitteln, weshalb er seinen Vortrag  mehrfach durchspielt wie ein Bühnenschauspieler vor einem Auftritt. Und dadurch entstand dieses ausdrucksstarke Gesicht. Vergleichen Sie das einmal mit einem aktuellen Foto von Nicole Kidman, sie ist im gleichen Alter. Spooky, finden Sie nicht auch? Nicole Kidman, meine ich. Das Aussehen fiel umso stärker auf, als Stephan Porombka von lauter jungen Antlitzen umgeben war, auf deren Stirnen noch keine einzige Charakterfalte zu finden sein konnte.

Netzkultur Twittersprechstunde mit Stephan Porombka

Stephan Porombka – der Held des Tages für die Netzkultur. Auch für mich.

Der erste Satz, den ich hörte, ließ mich gleich aufhorchen. „Wisst Ihr, was ein Stundenhotel ist?“ Keine Reaktion aus der Runde. Stephan Porombka erklärte die Hintergründe und zog eine Analogie zu Twitter. Für ihn und eine Freundin von ihm sei Twitter kein Stundenhotel, sondern ein Sekundenhotel.
Betretenes Schweigen. Niemand schien zu verstehen, was er meinte. Es war recht offensichtlich, dass die Twitterkompetenz der SchülerInnen nicht sehr ausgefeilt war. Ich spielte neugierig Mäuschen und setzte mich zum Gespräch.
Die Lehrerin der Klasse ergriff das Wort und beschrieb ihren Unmut bei der Idee, sich in sozialen Medien Accounts anzulegen. Sie habe Angst vor Zeitverlust. Sie hatte beispielsweise noch nie Facebook getestet und war wütend über den Ausschluss von Informationskanälen. Als Hobbytänzerin ärgert sie sich sehr darüber, dass die Tanzschule Einladungen nur noch über Facebook verschickt. Parallel dazu erzählte sie von ihrem Programm für ihre SchülerInnen, eine Woche lang nur Sinnvolles zu tun, folglich sozialen Medien fern zu bleiben. Für einige von ihnen sei das sehr schwer, Suchtverhalten würde sich abzeichnen. „Die Welt geht zugrunde“, fürchtete sie wortwörtlich, denn Facebook-Kommentare würden sich durch falschen Satzbau und Rechtschreibfehler auszeichnen …
Die Einstellungen der SchülerInnen zu sozialen Medien waren dazu passend. Niemand von ihnen schwärmte von den Möglichkeiten des Web 2.0. Alle äußerten sich ablehnend. Langweilig sei Facebook, immer das Gleiche, man habe kein Bedürfnis mehr, Menschen im echten Leben zu treffen, wenn man schon alles über die jeweiligen Personen über deren Posts wisse, alles sei sinnlos. Genervt sei man von Freunden, die auch dann noch online sind, wenn man sie persönlich treffen wolle. Ständig würden neue Plattformen entstehen, man käme kaum mehr hinterher, das Neueste sei nun Instagram für Fotos. Zu dieser Sammlung passte auch der Titel des Schultheaterstücks, das die Gruppe plante: GEFANGEN IM NETZ – BRAINWASH o_O (Anm. d. Verf.)
War das die Generation mit angeborener Medienkompetenz, auch vielbeschworen als digital Natives, die international konkurrenzfähig Deutschland zur virtuellen Vorreiterschaft führen würde? Ich fühlte mich einsam. Verloren, wie ein Blättchen im Wind. Gehöre ich einer vom Aussterben bedrohten Generation an, die sich ihre umfassende Medienkompetenz zwar in langen Jahren des Umbruchs von einer Technologie in die nächste spielerisch angeeignet hat, die aber ebenso schnell, wie sie gewachsen ist, wieder verschwinden wird? Mir schwant Schlimmes. Wir sind ein Höhepunkt der Medienzivilisation. Ein Peak. Die einzige Generation, die ebenso selbstverständlich weiß, was eine Kassettenrekorder ist und wie man aus Magnetband bauchfreie Pullover häkelt, wie sie über Facebook ihre weltweiten Sozialkontakte streichelt und über Twitter rund um die Uhr ihrem Mitteilungsbedürfnis frönt. Man muss uns hegen und pflegen wie seltene Pflanzen, unser Wissen extrahieren und uns als Inspirationsquelle nutzen, so lang wir noch leben …
Stephan Porombkas Diagnose für die Klasse war 100% zutreffend. Alle neuen Medien ihrer Zeit, ob nun Radio, Kino, Fernsehen oder das Internet, hatten das Problem, dass sie von älteren Generationen als schlecht abgelehnt worden seien. Die Befreiung der Jugend von Verboten, beispielsweise in den 68er Jahren, als eine junge Generation das Kino für sich eroberte, sei die einzige Möglichkeit, den kompetenten Umgang mit Medien zu ermöglichen. Das schlechte Gewissen, das man jungen Leuten einreden würde, würde die kreative Auseinandersetzung mit sozialen Medien verhindern.

Netzkultur Twittersprechstunde mit Stephan Porombka

Jahrelanges Training: Stephan Porombka kann gleichzeitig auf Kommentare reagieren, weiterdenken und vortragen.

Seine empfohlene Therapie: Prokrastination von ihrem negativen Ruch befreien. Sie nicht länger schlimm finden, sondern zur Ideenproduktion verwenden. Den Flow des Web nicht nur als negativen Flow betrachten, der süchtig macht, sondern als interkulturellen Austausch betrachten.  Twitter sei keine Entscheidung (on/off) sondern Arbeit (kontinuierlich). Man müsse damit aufhören, die Welt zu verdächtigen, sondern Jasagen als Vorbedingung zu kritischem Handeln verstehen. (y)

Die Lehrerin schien geradezu erleichtert. Sie höre sonst immer nur Konterargumente gegen das Netz und sei froh, endlich einmal etwas Positives erfahren zu haben. Ich glaube, sie ist gar nicht so socialallergisch, wie sie sich anfangs gegeben hat. Sie wird nur von zu vielen Seiten zugeschwurbelt, dass das Internet die böse Seite der Macht repräsentiert …

Bloggerin? Ich bin interessant! Na so etwas …

Auf Herrn Porombka warteten schon die nächsten TwitterpatientInnen. Die Aufmerksamkeit der Lehrerin der Klasse 11c übertrug sich jetzt von ihm auf mich. Das fand ich süß. Wissbegierig. Ihrem Auftrag als Lehrerin folgend. Ich hatte mich als Bloggerin vorgestellt, um als Zuhörerin unverdächtig zu bleiben. Jetzt wollte sie gerne mehr über meine Kompetenz erfahren. Worüber, wie, verdient man damit Geld, welchen Sinn und Zweck … ein bisschen fühlte ich mich wie ein exotisches Tier in freier Wildbahn, aber natürlich auch geschmeichelt von der unerwarteten Aufmerksamkeit.
Brandaufbau, Persönlichkeitstraining, das Hobby zum Anlass nehmen, Expertenwissen zu teilen … das Grüppchen stellte neugierige Fragen. Wie bekommt man unerwünschte Fotos aus dem Netz, wer wird eigene Artikel lesen, für wen soll man schreiben … Vielleicht ist die Generation für das Netz doch noch nicht verloren. Überraschung, die Klasse hat auch schon einen eigenen Blog auf WordPress.com eingerichtet. Slogan: „Jeder kann alles wissen“. Echt? Wow! Das wusste ich noch gar nicht … wie geht das? Es steht erst ein einziger Artikel auf der Seite, mit einem einzigen Satz (ohne Rechtschreibfehler natürlich), vielleicht ein guter Anfang? Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt, was da kommt und habe den Blogfeed abonniert.
Liebe Klasse 11c, die Ihr hier wie angedroht diesen Artikel lest: Ein Feed ist ein Kanal für den automatisierten Abruf von Artikeln abonnierter Seiten, die Ihr über einen Feedreader in Eurem Browser als Digest lesen könnt. Auch Eure WordPress Seite hat einen Feed. Hängt an Eure Domain hinter .com /feed/ in der Adresszeile von Eurem Browser an und Ihr könnt ihn sehen! Habt Spaß damit! Treibt groben Unfug auf Eurem Blog. Veröffentlicht nutzloses Zeug. Wechselt dreimal täglich die Templates. Und macht hemmungslos ganz, ganz viele Rechtschrei(b)feeler!! (Duden.de macht alles wieder gut.)

Die Workshops, die parallel zur Twittersprechstunde liefen, wurden von mir zugunsten der klassen Klasse 11c ausgelassen, von Clemens Nübel habe ich aber gehört, dass die Remixen Session mit Ella und Florian Zwietnig sehr gut gewesen sein soll. Er hat sich mit Audacity anstecken lassen und will es selbst auskurieren.

Netzkultur Remix Workshop

Netzkultur Remix Workshop

Die Panels, die das internationale Publikum via Livestream von der Bühne der Netzkultur mitverfolgen konnte … muss ich nicht kommentieren

Persönliche Eindrücke über die Vortrags- und Diskussionspanels wollte mir Co-Bloggerin Dee bald schicken. Bis heute hat sie es nicht geschafft. Ich glaube, ihr ging es genauso wie mir. Sie war schlichtweg sprachlos. Ich darf dazu nichts schreiben, will ich meinem Vorsatz für diesen Artikel (s.o.) treu bleiben. Anerkennend anmerken möchte ich, dass das anwesende Publikum der Netzkultur Konferenz einen hohen Kompetenzquotienten in Internetfragen mitbrachte. Einige Male beobachtete ich, wie ein entsetzter junger Mann im gut sitzenden Anzug ungläubig den Kopf schüttelnd seiner Verzweiflung Ausdruck gab, hörte eine Frau hinter mir grimmig vor sich hingrummeln, stimmte innerlich zu, als ein grauhaariger Mann noch während der Diskussion laute Einwände erhob.
Der beste Tweet dazu kam von @bleed alias Sascha Kösch: „Was wird aus dem Kunstdiskurs, wenn der Moderator ein Original ist? ;)“ Ja. Gute Frage. Was nur?

Netzkultur - internetaffines Publikum

Netzkultur – offensichtlich internetaffines Publikum

Zum Abschluß der Netzkultur Konferenz ergibt sich noch ein wunderbarer Kontakt

Eine auffallend interessant aussehende junge Frau bewachte als Saalordnerin die Treppe zum Festsaal. Ich entdeckte sie rein zufällig. Sie war beleuchtet vom Spot eines Bühnenscheinwerfers und wurde von einer Überwachungskamera aufgezeichnet, deren Bild auf zwei Monitoren im hinteren Raumeck des Panelsaals zu beobachten war. Das war kein Kunstwerk! Es ging nicht erneut darum, auf das ausgespäht werden des Individuums durch die NSA aufmerksam zu machen. Nein, nein, das war die Hausanlage.

Netzkultur Ausspionage des Individuums durch die Berliner Festspiele

Netzkultur Überwachung des Individuums durch die hauseigenen Kameras der Berliner Festspiele

Alle TeilnehmerInnen der Netzkultur Konferenz, die einzeln durch den nadelöhrartigen, extra für die Veranstaltung eingerichteten Durchgang steigen mussten, wurden vom Haus der Berliner Festspiele archiviert. Ich sprach die junge Gatekeeperin darauf an, dass sie gerade unter Dauerbeobachtung steht, daraus entstand ein schöner Austausch. Sie heißt Rita Sonal Panjatan, hat indische Wurzeln, studierte in London Wirtschafts- und Politikwissenschaften und lebt seit einem Jahr wieder in Berlin, wo sie auch aufgewachsen ist. Kreative Videos und Filme sind ihre Spezialität. Sie möchte gerne für NGOs arbeiten. Würde ich sie als Crowdfunding-Botschafterin für ein Weltrettungsprojekt engagieren? Wen, wenn nicht sie?

Netzkultur - Rita Sonal Panjatan

Netzkultur Gatekeeperin Rita Sonal Panjatan

Mein Résumé über die Netzkultur Konferenz

Kuratorin Nikola Richter hat den Effekt der doppelten Verneinung in Perfektion demonstriert. Wie eingangs im Artikel erwähnt, wollte sie dem Netzpessimismus in der Kultur etwas entgegensetzen. Sie hat so exakt die Geister gerufen, die sie vertreiben wollte. Die Netzkultur Konferenz wurde zur internetpolemischsten Veranstaltung meines Lebens. Ghostbuster wie Stephan Porombka konnten dieses Spukschloss auch nicht von den „Freunden des Internets“ freijagen, die Übermacht war zu groß. War das Absicht? Wenn ja, war es ein geniales Programm.
Das Rundumpaket um die Konferenz war schön. Medienpräsenz, Ausstattung, ausgewählte Highlights in Workshops, alles fein. Vielleicht wird die nächste Ausgabe inhaltlich etwas weniger netzdüster werden? Man darf gespannt bleiben.

Netzkultur Geistertanz

Spukschloss Netzkultur – sogar meine Kamera kann die onlinepolemischen Gespenster sehen.

Wie  geht es mit Granaton und Netzkultur weiter? Auch bei der nächsten Ausgabe werde ich wieder mit dabei sein. „Die stumme Masse“ am 18.1.2014 und schließlich „Digitale Identitäten“ am 22.2.2014 werden in diesem Artikel besprochen werden. Auch diese Konferenzen werden teilweise durch einen Live-Stream weltweit zugänglich gemacht werden. Über den Twitterhashtag #nk1314 werden vielleicht auch thematisch spannende Fragestellungen online aufgeworfen werden. Dass ich auch wieder vor Ort sein werde, ist mandatorisch, denn Highlights wie Twittersprechstunden sind nicht streambar – und interessante Leute vor Ort sind nicht beambar.

Artikelbild/Impressionen: Nick Nampaul

P. S.: Liebe Helena Hauff! Wenn Sie auf Ihre eigene Homepage, deren URL Sie nach Ihrem Namen benannt haben, einen geschriebenen Satz setzen, wenigstens einen, damit Suchmaschinen Worte auf Ihrer Seite finden können, dann werden Sie für diese Worte auch in Google ranken, wenn jemand nach Ihnen sucht. Probieren Sie es! Schreiben Sie beispielsweise „Helena Hauff freut sich über BesucherInnen durch Google“ auf Ihre Startseite und Sie werden sehen, dass Sie dafür ganz kostenlos in den Google Index kommen. Ein Bild auf der Homepage ist schön und gut. Aber derzeit sind Suchmaschinen noch semantisch orientiert, das Metaweb ist noch nicht angekommen. Es entsteht erst Schritt für Schritt. Wenn es soweit ist, dann können Sie mit unsichtbaren Informationsblöcken auch Suchmaschinen erreichen, aber bis dahin würde ich Ihnen empfehlen, ein bisschen Text auf Ihre Seite zu stellen. Nur ein klein wenig. Die Textdurchschnittsmenge für das Suchwort „Helena Hauff“ der besten zehn Suchergebnisse beträgt derzeit 398,80 Wörter. Das ist nicht viel. Das ist ein schönes Résumé oder ein netter Einleitungstext, in dem Ihr Name ein paarmal vorkommt. Schreiben Sie so etwas! Damit schaffen Sie es auf Seite 1 von Google, falls jemand nach Ihnen sucht. Ganz und gar gratis.

2 Gedanken auf "Netzkultur als Konferenzformat"

  1. Viktor Antworten

    Ich werde diesmal, am 18. Januar, mit dabei sein, bin sehr gespannt. Bis dann!

Teilen Sie Ihre Meinung mit