Neuland!

Wo ist Lucky Luke?

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Das Lucky Luke Comic „Stacheldraht auf der Prärie“ ist eine Kindheitserinnerung von mir. Der cholerische, schwerreiche Viehzüchter kämpft einen ungleichen Kampf der Unabhängigkeit und Freiheit für sein weidendes Vieh, das ihm Reichtum und Ansehen beschert. Sein Gegner ist der neurotische Siedler und Bauer, der sein kleines Anbaugebiet zur Selbstversorgung mit Stacheldraht vor den Hufen der Rinderherden schützen will. Ein schier aussichtsloser Kampf für den Siedler. Lucky Luke versöhnt die Streithähne.

Ich fühle mich momentan ein wenig wie der Bauer. Onlinekonzerne und Sicherheitsdienste nutzen mein kleines eigenes Neuland, um ihre Informationsströme darüber trampeln zu lassen, ich möchte das aber nicht. Ich will gerne mein Selbstanbaugebiet freihalten von Fremdzugriffen. Welcher Stacheldraht eignet sich dafür? Muss ich auf mein Neuland verzichten, wenn ich keine trampelnden Herden auf meinem Grund und Boden will? Und wo ist Lucky Luke?

Technik gegen Fremdzugriffe abzusichern wäre der erste Schritt. Dafür bekomme ich verschiedene Tipps: Ein Linux-System, in das ich mein Arbeitssystem wie eine Bubble einbette. Dazu eine Sandbox für Programme, die ins Internet dürfen. Eine gut konfigurierte Firewall für meinen Router. Und keine bekannten Sicherheitslücken wie Java oder Flash.

Der zweite Schritt ist das allseits beschworene bewusste Surfen. Verwende den Tor-Browser. Keine halbseidenen Seiten aufrufen, auf keine unsicheren Links klicken, keine unbekannten E-Mails öffnen. All diese Tipps klingen für mich ein wenig wie die Ratschläge von Erwachsenen, die ich schon als Kind bekam, darunter an erster Stelle: „Nimm keine Geschenke von Fremden an!“ Nein, eh nicht, Mama. Aber… aber die Cookies kommen ganz von selber!!

Der dritte Tipp ist: Gelassenheit. Das interne System soll vom Onlinesystem abgekoppelt betrieben werden, um heikle Daten erst gar nicht der Sichtbarkeit durch Fremdzugriffe auszusetzen. Doch selbst das sicherste System kann geknackt werden, wenn es auch nur ein einziges Kabel ins wwW hat. „Das Onlinesystem ist immer ein rein-raus Spiel, 100%ige Sicherheit gibt es nicht“ wurde mir von einem Hacker erklärt. Und wird es auch nie geben. Deshalb ist Coolness wichtig.

Meine nächsten Schritte: Den Laptop richtig konfigurieren, lernen, wie Linux funktioniert und versuchen, so viel wie möglich über Datensicherheit zu erfahren. Dadurch, dass Linux ein Open Source System ist, werden Sicherheitslücken schnell geschlossen. Unbekannte Zugriffsmöglichkeiten wie bei Windows, dessen Betriebssystem Hintertürchen offen lässt, kommen nicht mehr vor. Ich werde keine Archivdaten auf dem Gerät mehr aufbewahren, alles extern offline speichern, nur aktuelle Projekte auf den lokalen Festplatten ablegen. Den Router ordentlich einstellen, gute Antivirus-Software benutzen und das System immer wieder kontrollieren. Und das Smartphone einmotten, stattdessen mit einem smartfreien Handy telefonieren. Dann ist man zwar immer noch nicht wirklich geschützt vor Eindringlingen, Überwachung und Fremdzugriffen, aber man hat zumindest ein gutes Gefühl.

Und das ist ja schließlich das Wichtigste, nicht?

Ach ja! Auch ganz wichtig: Es ist empfehlenswert, einen eigenen Browser für Facebook zu benutzen. So kann das Surfverhalten außerhalb von Facebook nicht ausgelesen werden. Sinnvoll? Ja! Warum sonst sollte mir Facebook denn bitteschön Werbung für Skateboards anzeigen, wenn ich vorher auf einer Skaterseite war, oder eine Gruppe für Hiddensee-Fans vorschlagen, wenn ich einem Freund in einer E-Mail von Hiddensee vorgeschwärmt habe?

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