UX Design mit Sommerstimmung

Das UX Camp Europe 2014 war heiß! Darf ich Ihnen ein paar XpertInnen vorstellen?

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Erzählen Sie mir von Ihren Erlebnissen beim UX Camp Europe 2014! Was hat Ihnen gut gefallen, welche Namen werden Sie sich merken? Sie als alter UX Design Onlinehase kennen den Barcamp-Hype ja schon. Nachdem man sich ein Wochenende oder auch nur einen Tag lang getroffen hat, um sich gegenseitig Ideen und Expertisen vorzustellen, nachdem man gegessen, getanzt und gefeiert hat, fällt man sich in die Arme, überschüttet sich mit Dankeschöns – und von allen Seiten kommen Blog-Lobeshymnen, wie toll es doch nicht gewesen ist. Ich bin, trotz intensiver Barcamp-Erfahrung, wirklich sehr begeistert vom Berliner UX Design Barcamp. Dazu möchte ich Ihnen ein Erlebnis schildern, das ich sehr aufschlussreich fand.

Um bei der samstäglichen UX Party Freigetränke und kostenloses Essen zu bekommen, brauchte man ein VIP-Bändchen aus Papier fürs Handgelenk. Es war kanarienvogelgelb. Als ich einen Tag nach dem Camp über das Straßenfest des Karneval der Kulturen schlenderte, traf ich zufällig auf einen jungen Mann, der ebenso ein Bändchen am Handgelenk trug. Ich sprach ihn darauf an, was es denn in seinem Fall bedeuten habe. „Da hat so ein Barcamp stattgefunden“, erzählte er. Er sei ja nicht dortgewesen, aber er habe einem Freund geholfen, etwas aufzubauen, deshalb habe er als Dankeschön das Bändchen bekommen. Der Freund sei wegen das Camps nicht sehr enthusiastisch gewesen. Alles schon mal dagewesen – nur diesmal habe man halb Osteuropa angekarrt. So viele Tschechen seien da gewesen und so. Habe sich irgendwie totgelaufen, habe der Kumpel gemeint.

Diese Geschichte fand ich spannend. Hatten doch genau die erwähnten TschechInnen, UkrainerInnen, RussInnen, PolInnen und KroatInnen ein Camp voller Poesie, Kreativität und Humor ermöglicht. Es war eben kein staubtrockenes very German Businesstreffen gewesen, bei dem man nach dem dritten Vortrag schon in Tiefschlaf fallen würde, sondern ein ganz buntes, internationales Zusammenkommen, bei dem viele europäische Kulturen vertreten waren. Werfen Sie einen Blick auf mein Facebook-Fotoalbum über das UX Camp Europe.

Frische Köpfe, deren Namen Sie sich unbedingt merken sollten

Olga Voskoboinikova (St. Petersburg), Petr Kosnar (Pruhonice), Tanya Zavialova (Kiev) und Tin Kadoic (Zagreb). Eine honorary Mention außer Konkurrenz geht zusätzlich noch an Iren Zatloukalovic (Prag).

Olga Voskoboinikova

Sie ist halb russischen, halb portugiesischen Ursprungs. Sie ist ebenso kreativ wie klug, ebenso poetisch wie punktgenau. Olga ist ausgebildet als Grafik Designerin und Illustratorin und hat sich auf UI/UX Design von Apps spezialisiert. Zu ihren Projekten zählen Aufträge für große Namen wie laCaixa und Heineken. Fest tätig ist sie als UX Designerin für The Digital Marvels in Barcelona.

Petr Kosnar

Als Design Ingenieur ist Petr an der Eindhoven University of Technology in der Forschung für das User System Interaction Program tätig. Er gestaltet als Freelancer für internationale Kunden nicht nur Produkte, sondern auch Konzepte und stellt dabei Fragen wie: Kann man User Experience designen? Und wenn ja – wie? Zum UX Camp Europe brachte er nicht nur eine Präsentation, sondern – für beste Camp UX – auch einen Flachmann mit naturbelassenem Absinth mit.

Tanya Zavialova

Pferd – Husky – Delphin. Was auf den ersten Blick wie eine Geschichte aus einem Kinderbuch erscheint, ist eine hilfreiche Eselsbrücke für die Kommunikation mit KundInnen, AnwenderInnen und EntwicklerInnen aus Designperspektive. Wenn man das nächste Mal mit engstirnigen KlientInnen, DAUs und rechthaberischen EntwicklerInnen zu tun hat, kann man sich für bessere Gespräche ihre Analogien vor Augen führen. Design dich selbst! Tanya ist Usability Architektin bei Luxoft.

Tin Kadoic

Was können wir von Küchenchefs lernen, wenn es um Kreativität geht? Eine ganze Menge – wie Tin anschaulich zeigt. Er hat eine Kreativitäts-Checkliste aus Rezeptbüchern und Restaurantstrategien extrahiert, die auf viele Anwendungsbereiche skalierbar ist. Tin bezeichnet sich als Interaktionskünstler, Designer und Lehrer. Er unterrichtet an der Sveučilište u Zagrebu Arhitektonski fakultet Studij dizajna.

Irena Zatloukalovic

Wussten Sie, dass die Tschechische Republik eines der wenigen Länder Europas ist, in dem keine Googlemehrheit herrscht? Die Suchmaschine Seznam hat einen Marktanteil von über fünfzig Prozent! Irena trägt mit dazu bei. Sie ist Sprecherin des Unternehmens und ist mit ihrem ausgeglichenen Selbstbewusstsein für diese Aufgabe prädestiniert. Sie trat beim UX Camp außer Konkurrenz an und zeigte, wie man überzeugendes Auftreten lernen kann.

Mehr interessante UX Design Charaktäre

Erhellend beim UX Camp Europe war für mich der Vortrag von Diana Löffler, Dozentin am Lehrstuhl Psychologische Ergonomie in Würzburg. Sie veranschaulichte die Vorteile von Design, das auf sensorimotorischen Lernerfahrungen aufbaut, anstelle von kulturellen.

Ein herzlicher Dank für Inspiration und neues Wissen geht an Professorin Luzi Beyer (Berlin), UX Designer Hany Rizk (Berlin), Web & User Interface Designerin Rahel Vils (Zürich), Produkt- und UX Designer Holger Eggert (Berlin), Telekom-Projektleiter Mark König (Berlin), Google-Interaktionsdesignerin Rachel Ilan Simpson (München) und an den Strategen Audun Rundberg (Oslo).

 UX Camp Europe Orgateam

Das UX Camp Europe wird veranstaltet von einem Team Freiwilliger: Designer, Berater und eine Professorin tun sich Jahr für Jahr erneut zusammen, um ein bereicherndes Barcamp auf die Beine zu stellen. Es ist ein gemeinnütziges Projekt, das von Sponsoren finanziert wird. Die Organisation war hervorragend, es lief alles wie am Schnürchen. Man merkte die jahrelange Erfahrung der Gruppe, das UX Camp Europe fand zum fünften Mal statt. Auch für leckere Verpflegung und ausreichend Flüssigkeit war täglich gesorgt. Der Eintritt ist kostenlos, die Gratistickets sind limitiert und werden über Eventbrite verteilt, sie sind üblicherweise innerhalb weniger Minuten registriert. An dieser Stelle ist auch mein einziger Kritikpunkt am UX Camp Europe zu finden. Durch dieses Ticket-Nadelöhr werden Insider und langjährige TeilnehmerInnen motiviert, zum Camp zu kommen. Wer diesen Veröffentlichungstermin nicht kennt, ihn verpasst, die kurze Zeitspanne übersieht oder später auf das Camp aufmerksam wird, wird möglicherweise durch die Ticketlimitierung entmutigt. Wird neues Publikum so abgeschreckt? Vielleicht könnte man hier eine bessere Lösung finden?

Was fanden Sie gut am UX Camp Europe? Welche Namen werden Sie sich merken?

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