Warum ich Artikel schreibe

Was ist meine Motivation? Ein paar ehrliche Antworten

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Da war doch neulich dieser Designmarkt im Kaufhaus Jandorf. Ich bin hingegangen, mit Kamera und Block ausgestattet. Und da war auch dieser angegraute, grimmige Bär, der Lebensmittel in schöner Verpackung vertreibt. Er hat sich als Lehrperson für Design bei mir vorgestellt. Hat anders auf mich reagiert, als die übrigen VerkäuferInnen. „Was ist Ihre Motivation?“ wollte er von mir wissen. Ich war kurz baff. Warum ich Artikel schreibe? Naja, das ist nicht so leicht zu beantworten und nicht in einem Satz getan. Ich habe ihm die Antwort gegeben, die in diesem Zusammenhang am passendsten erschien: PR.
„Ich schreibe, damit Sie sich in dem Artikel wiederfinden, ihn teilen, verlinken und ich so meine Marke unter die Leute bringe.“ Damit war er zufrieden. Aber das ist natürlich nicht alles.
Zehn gute Gründe, warum ich schreibe. Bitte ergänzen Sie meine Liste mit IHREN Ideen in den Kommentaren nach Herzenslust!

Man hat einen schönen Anlass, irgendwo hinzugehen

Der Schweinehund, das liebe Tier. Es ist Sonntag und so schön gemütlich zu Hause. Oder schon Abend und man hat sein Tages-Soll erfüllt. Das Seminar klingt ja interessant, aber lebensnotwendig ist es nicht. Wäre es da nicht mehr als gerechtfertigt, die Beine hochzulegen und einfach nur faul zu entspannen? Die Ausstellungseröffnung wäre sicher schön, aber man kann da auch noch während der Laufzeit hingehen (was man dann meistens versäumt). Und das Festival, naja, das findet eh jedes Jahr statt, ob man vor Ort ist oder nicht, das ist nicht so tragisch, Livestream ist auch gut.
Wenn man sich selbst den Auftrag gibt, darüber zu berichten, dann geht man hin. Und man erlebt alles viel bewusster, weil man ja jemanden hat (SIE!), dem man darüber erzählen will. Insofern ist es … ein kleiner Trick, um sich selbst zu überlisten. Dass so auch noch guter Content entsteht, ist ein angenehmer Nebeneffekt.

Man bekommt kleine Vergünstigungen

Die Vorstellung „Ich bin Bloggerin“ kann so manches Türchen öffnen. Viele Menschen fühlen sich motiviert, mir mehr über ihre Tätigkeit oder ihre Ideen zu erzählen, weil sie glauben, dass es nützlich sein könnte – es bleibt nicht beim reinen Smalltalk. Man wird auf die Gästeliste gesetzt, bekommt Pressepässe oder Zutritt zur Backstagezone. Man darf fotografieren. Das sind kleine Erleichterungen, die man als bloße Konsumentin nicht bekommen würde. Sie motivieren erneut, sich den Gegebenheiten auch zu widmen, wenn man ein paar kleine Hürden überwunden hat.

Man lernt dazu

Wenn man Artikel schreibt, reflektiert man noch einmal über das Erlebte oder Gelernte. So kann es sich besser einprägen, es bleibt im Gedächtnis. Was man schon vergessen hat, bis man sich ans Bloggen macht, das war eh nicht so wichtig. Und plötzlich merkt man, wie viel man gar nicht weiß, aber gerne wissen würde, um für den Artikel weiter in die Tiefe gehen zu können. Der Lerneffekt aus selbst erzeugter Neugier ist der gesündeste Antrieb, um zu lernen, und nicht zu unterschätzen. Das Beste daran: Sollte man vergessen, worüber man geschrieben hat, so kann man es jederzeit nachlesen.

Man erzeugt Zeitdokumente

  • Mama, wie war das damals, als du so alt warst wie ich? – Lies meinen Blog!
  • Erinnerst du dich noch an die Zeit, als du ein junger unbekannter Künstler warst? – Ich war nie ein unbekannter Künstler, ich bin schon berühmt geboren. – Ach, echt?
  • War das eigentlich wirklich so arg damals, mit den Tieren, dem Ozonloch, der Politik, den Drogen, der Musik, der SEO-Szene? – Schau dir die Fotos, Zitate, Texte an, sie sind seit dreißig Jahren online.

Public Relations

Wie schon in der Einleitung erwähnt, sind Artikel eine sympathische Möglichkeit, sich anderen Menschen vorzustellen und sich mit ihnen zu verbünden. Wenn man über Unternehmen, Clubs, Szenen, Kunst, Wissenschaft oder Film bloggt, je nachdem, kann man schön Kontakte knüpfen, die die Inhalte dann auch weiterkommunizieren. Man darf natürlich nicht ZU positiv schreiben, um nicht als Werbeblögchen abgetan zu werden, aber grundsätzlich gilt die Regel: Sei nett. Naja. Nicht immer. Sonst ist Lob nichts mehr wert. Aber wenn es einen guten Grund gibt, positiv zu sein, dann sollte man ihn auch nicht ignorieren.

Suchmaschinenoptimierung

Na klar, wenn man seine Texte so gut aufbereitet, dass sie von Suchmaschinen schön weit oben indexiert werden, dann bringt das Traffic. Ich schreibe manche Artikel nur deshalb. Wobei … tue ich das wirklich? Nein. Eigentlich nicht. Nur für Traffic zu schreiben, das ist öde. Wenn kein Herzblut mit im Spiel ist, dann kann man das professionell gegen Honorar anbieten, wahrscheinlich bringt das sogar bessere Ergebnisse, weil man der Materie neutral gegenübersteht und dann auch nicht ganz so akkurate Formulierungen akzeptiert, wenn sie nur SEO-freundlich sind. Aber einfach so, aus Spaß, Googletexte zu schreiben ist eher nicht so mein Thema. Es bringt nun aber schon eine Menge innere Befriedigung, wenn man sieht, dass ein einziger Artikel jeden Tag stabil und solide 20, 30, 40 Zugriffe pro Tag nur über Onlinesuchen anlockt.

Kompetenzbeweis

Man weiß etwas? Man kann etwas? Man hat etwas entdeckt? Über Artikel kann man sein Wissen öffentlich machen und sich so die Kompetenz zuschreiben, die einem auch zusteht. In der Welt der Wissenschaft gibt es dafür zahlreiche Plätzchen, wo man das tun kann und soll. Sie sind gekrönt von gebundenen Büchern, die sogar in Buchläden zu finden sind. Aber für Anna Unspektakulär, die nun doch keine Dissertation geschrieben hat, ist der Blog ein wunderbarer Weg, ihre kreativen Ideen mit der Welt zu teilen. Nicht zu unterschätzen ist das Datum von digitalen Artikeln, das man bestenfalls über zeitlich nachvollziehbare Verlinkung absichert.
„Prof. Dr. Otto Oberhuber hat A gesagt und B getan, er ist ja so cool und so klug und so toll“ – Ach komm! Darüber hab ich doch schon 2013 gebloggt! Er hat das alles bei mir gelesen – „Ja klaaaar“ – Ja! Wirklich! Ich schick dir den Link! Und einen Kommentar hat er auch hinterlassen – „Nä! Du nimmst mich auf den Arm“ – Schau auf meinen Blog. Da steht alles!

Synapsentraining

Schreiben ist wie Jogging fürs Gehirn. Es hält den Denkapparat frisch und geschmeidig. Wenn man anfänglich noch zahlreiche Rechtschreibfehler gemacht hat, so braucht man nach einem Jahr nicht einmal mehr die automatische Rechtschreibkorrektur des Browsers.

Kommunikation

Durch Artikel kann man Austausch bekommen, wenn man die Kommentarfunktion offen lässt. Je provokanter ein Artikel, desto eher wird sie anspringen. Ich schreibe ja nun nicht waaaahnsinnig kontroversiell, ich beleidige auch niemanden, verdammt. Da kommt nicht so viel Reaktion, Trolle bleiben weg. Aber hin und wieder bleibt doch ein Kommentar im Netz hängen. Ihrer vielleicht?

Publikum

Man ist nicht mehr allein. Sie sind da draußen und lesen das. Geht es Ihnen auch so wie mir? Was fällt Ihnen zum Thema Blogartikel ein? Haben Sie andere Motivationen, Texte online zu verfassen? Das können doch noch nicht alle guten Gründe gewesen sein?

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