Website Statistik? Wofür brauche ich das?

Ihre Internet Statistik ist mehr, als einfach nur ein Marketing-Werkzeug

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Wie oft habe ich NetznutzerInnen schon die Frage gestellt: Warum benutzt Du kein Website Statistik Tool? Meistens bekomme ich darauf die Antwort: Das brauche ich nicht.

Wie kann man so etwas nicht brauchen, frage ich mich in so einer Situation. Einerseits spricht da die Marketingmanagerin aus mir. Ohne online Statistik kann man sich nicht verbessern. Woher soll man denn wissen, welche Inhalte beliebt sind und welche nicht? Suchmaschinenoptimierung macht keinen Sinn mehr. Die Position bei Google ist nicht relevant, wenn man nicht überprüft, wie viele Zugriffe das Snippet der Homepage von Seite 1 aus bringt.  Ohne Statistik über die Internetnutzung auf der eigenen Website kann man sich nicht vergleichen mit der Konkurrenz und kann schon gar nicht herausfinden, wer wann welche Inhalte heruntergeladen hat. Das will man doch wissen, wenn man wertvollen  Content veröffentlicht, denke ich mir dann.

Andererseits spricht da aber auch die Autorin aus mir. Für wen schreibe ich denn? Für mich selbst? Nein. Eben nicht. Ich schreibe für die LeserInnen dieser Website. Ich schreibe für SIE. Ich stelle mir SIE in dem Moment vor, während ich an diesem Text arbeite. Sie sitzen gerade mit Ihrem Gerät hemdsärmelig in der U-Bahn, haben graumeliertes Haar, sind neu im Web und lesen auf dem Tablet. Sie sind Studentin und fliegen auf dem Smartphone über diese Zeilen, während die Vorlesung gerade zäh ist. Sie arbeiten mit Code und möchten sich parallel auf Ihrem Riesenrechner gerne mal ablenken. Sie sind Künstlerin und setzen gerade selbst fluchend eine Webseite auf.

Erraten Sie, wofür ich die Statistik als Autorin brauche?
OHNE STATISTIK SEHE ICH SIE NICHT MEHR!

Wie? Ich kann Sie sehen? Aber JA, selbstverständlich! Was glauben Sie denn? Ich kann Sie sehen durch alle Ihre Zugriffe über die Website Statistik. Diese Zahlen, die mir mein Statistik Tool auswirft, sind nicht länger abstrakt für mich. Ich habe mich an sie gewöhnt. Sie sind intuitiver Bestandteil meiner täglichen Arbeit geworden: 102 Zugriffe an Tag X auf Artikel A, aus Österreich, der Schweiz, aber hauptsächlich Deutschland. Heute kommt der größte Anteil aus dem Raum Köln. Auch aus Australien sind Zugriffe da, den USA und sogar zwei Hits aus Nepal sind angekommen. Durchschnittlich 5 Minuten 34 Sekunden sind Sie auf meiner Site geblieben. Das ist toll! Sie haben mindestens einen Artikel gelesen – wahrscheinlich aber eher mehr.
Artikel Y ist abgefallen, hier muss ich nachbessern. Die Absprungrate von Seite Z ist viel zu hoch. Warum? Ah, an dem Punkt sind Sie ausgestiegen. Sie mögen es nicht, wenn man sich über schlechten Service beschwert? Gut, ich werde nur noch positive Kritik veröffentlichen. Und der Einbruch der Zugriffe hier, das war der Feiertag.
Die Internet Statistik zeigt mir, wie oft Sie vorher schon auf meiner Seite waren. Ob Sie wiederkehrende Besucherin sind, oder Neueinsteiger. Welche Artikel Sie insgesamt angeklickt haben, welche Bilder Sie sich angeschaut haben. Ich sehe über die Statistik, ob Sie täglich über Ihren Feedreader zugreifen oder ob Sie spontan über das iPad von unterwegs kommen. Ich erkenne, ob Sie den Firefox von einem Standrechner aus benutzen oder ob Sie – vermutlich von der Humboldt Uni aus – mit Opera über den Server der Grimm Bibliothek surfen. Ich sehe, wie lang Sie auf welcher Seite waren, über welche Links Sie gekommen sind. Ob Sie unbedingt auch das Impressum sehen wollten und ob Sie auf meiner Kontaktseite waren, dann aber doch gezögert haben, eine Nachricht zu schreiben. Stattdessen haben Sie lieber meine Facebookseite besucht. Ach, der neue Fan, das waren Sie?

Sie sind nicht namentlich bei mir registriert. Auf Granaton.com gibt es keine Mitgliederseiten, über die ich Ihre Identität feststellen könnte. Ich kann auch Ihre IPs nicht nachvollziehen, aus Datenschutzgründen sind sie anonymisiert. Doch die Internet Statistiken zeigen mir dennoch, dass SIE da draußen sind, und meine Texte lesen.

Wofür soll das gut sein?

Diese Frage habe ich mir selbst manchmal gestellt – so lange, bis mein Statistik Tool plötzlich nicht mehr funktionierte. Ein Softwareupdate störte den Zähler. Die Zugriffe waren plötzlich auf Null. Ich fühlte mich, als wäre ich blind und taub. Als wäre ich der einsamste Mensch auf der Welt, als wäre meine Website plötzlich abgeschnitten von allem Traffic. Dadurch, dass ich Sie durch die stillgelegte Online Statistik nicht mehr sehen konnte, waren Sie für mich emotional auch nicht mehr da.

Schauen Sie, was das mit mir gemacht hat:
ICH HABE IN DER ZEIT KEINEN ARTIKEL MEHR GESCHRIEBEN!

Ohne Ihre virtuelle Präsenz, die durch ein Statistik Tool für mich sichtbar wird, spüre ich keine Motivation mehr, meine Erfahrungen aufzuschreiben. Es fühlt sich für mich an, als würde ich Selbstgespräche führen.
Vielleicht geht es Ihnen auch so? Gibt auch Ihnen Ihre eigene Statistik einen Frischekick und schreiben auch Sie umso lieber und leichter, wenn Sie Ihre LeserInnen sehen?

Meine Empfehlung an alle, die sich mit Texten quälen: Kleben Sie sich nicht nur ein Foto oder eine Skizze Ihrer Personas über Ihren Schreibtisch. Installieren auch Sie sich gute Statistik Software.

Welches Statistik Tool ist das Beste?

Piwik. Datenschutzfreundlich, unkompliziert, ausführlich, kostenlos, lokal. Probieren Sie es. Sie werden dann schon sehen. Und Sie wissen ja: Wenn Sie dabei Hilfe brauchen, fragen Sie mich gern.

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