Wie nutzen Sie Twitter?

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Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Meinen ersten Twitter-Account hatte ich 2008. Ich konnte damit nichts anfangen. Jeder, pardon, Pups ist sofort öffentlich. Die Sprache wird verstümmelt. Es gibt kaum Möglichkeiten, Sortierungen vorzunehmen. Und ich hätte auch nicht gewusst, wem ich hätte folgen sollen. Ashton Kutcher? Hm-hm.
Facebook war mehr mein Thema, da tummelte sich die berliner Underground-Kunstszene. Man konnte viel mehr Unsinn anstellen. Herrlich kreativ sein. Es war auf einer emotionalen Ebene für mich besser zugänglich, um für das Prinzip „social Media“ ein selbstverständliches Verständnis zu entwickeln. Für Granaton habe ich vor einem Jahr eigentlich nur deshalb einen Twitter Account angelegt, weil ich den Profilnamen reservieren wollte. Als Linkschleuder für Artikel funktioniert Twitter auch nicht schlecht. Ich hatte viele Zugriffe über meine öffentlichen Tweets. Ein paarmal habe ich auch auf „follow“ geklickt, wenn eine Person, die ich interessant fand, keinen Facebook-Account hatte, das war aber nur selten der Fall.
So langsam werde ich auch inhaltlich mit Twitter warm. Es gibt heute viel mehr UserInnen als damals. Jede noch so kleine halböffentliche Gruppe hat einen eigenen Account. Man bekommt erstaunlich viel mit. Ein weiterer Zeitfresser? Ja, vielleicht. Verdammt. Andererseits gibt es nichts Wichtigeres für die eigene Entwicklung, als das Andocken an die richtigen Informationsflüsse. Ich habe gestern ein paar weitere Profile abonniert, teilweise von spannenden KollegInnen, die ich schon lange Zeit kenne, und schaue mir das jetzt einmal aufmerksam an. Können Sie mir Tipps geben?

Wie sind Ihre Erfahrungen mit Twitter? Wie nutzen Sie Ihr Profil? Was lesen Sie, welche Inhalte abonnieren Sie? Welchen emotionalen Zugang haben Sie dazu? Macht Twitter glücklich? Ist es für Sie wünschenswert oder abzulehnen, dass jeder Mensch dieser Welt nicht nur Ihre eigenen Tweets sehen kann, sondern auch die Reaktionen darauf, oder die Kommentare, die Sie selbst versenden? Haben Sie einen spürbaren ROI – in Bezug auf die Zeit, die Sie aufwänden? Wie finden Sie es, dass Ihre sozialen Verbindungen für jeden Menschen offen gelegt werden und nicht nur für die BetreiberInnen der Plattformen und die Geheimdienste dieser Welt? Ist das eine open source Identität? Muss man sich vor stalkenden Nachbarn nicht mehr fürchten, als vor einer NSA-Behörde, die Tausende Kilometer weit entfernt ist? Fragen über Fragen …

In der US-Serie Gossip Girl schreibt einer der jungen Charaktäre, Dan Humphrey, einen Roman, der von seinem sozialen Umfeld inspiriert ist. Nicht wenige seiner Freunde hassen ihn dafür. Der Roman wird ein voller Erfolg. Ein Twitterprofil „I hate Humphrey“ taucht auf und basht ihn übel. Ein Shitstorm sondergleichen. Er legt einen „I <3 Humphrey“ Account an und flauscht dagegen an. Er möchte wissen, wer ihn da so hasst. Findet eine Adresse – und entlarvt seine eigene Agentin. Das sei beste PR, hofft sie. Einträchtig sitzen sie nebeneinander und twittern. Weil die Agentin zu milde ist für Dans Geschmack, tauschen sie. „Katy Perry retweetet us!!“ ist das Happy End. (Klappt das auch bei mir?)

Pirat Duke schreibt zum Beispiel als Reaktion auf diesen Post auf Facebook von seinen eigenen Erfahrungen: „Wenn ich zu gute Laune habe, starte ich Twitter und lese eine Stunde den #piraten mit … Dann gehts wieder … Es ist ja ein gesamtheitliches Problem: Also was man VON und ÜBER Piraten liest. Die Shitstorms beginnen ebenfalls ausnahmslos in dem Medium. Twitter ist der klassische Multiplikator für einen Empörungssturm in unserer digitalen Gesellschaft. Und das nicht nur auf Piraten bezogen.“
Twitter hat scheinbar doch hohes Erregungspotenzial. Ist Twitter die neue Frühstückslektüre?

Pirat Dukes Lese-Empfehlungen:
Candystorm statt Shitstorm als Ergänzung zum Flauschstorm | Tagesspiegel
Boris Becker vertwittert sich und wird dafür ausgezwitschert | DIE WELTNeu im Duden: „Den Wendler machen“ | Web.de
ExpertInnenseite auf Facebook | Shitstormradar

Punktgenau flattert ein Artikel über social Media Interaktionen mit Newsseiten über meinen Facebook Newsfeed. Eine schöne Statistik, die zeigt, dass die Anzahl an Interaktionen seitens TwitteruserInnen auf Nachrichtenseiten in den letzten Jahren gleich geblieben ist, während Facebook durch die Decke geht. Woran liegt das?

Ein Phänomen, das mir immer wieder auffällt, ist Crossposting von Twitter auf Facebook. Es gibt UserInnen, die gnadenlos 10, 15 Tweets pro Tag losschicken, die dann automatisch auf Facebook über die Newsstreams der Kontakte und Abos floaten. Sie sehen anders aus. Sie wirken anders. Und die Reaktionen auf Reaktionen auf diese Posts sind anders, denn die UserInnen nutzen Facebook gewissermaßen als Zweitkanal, so eine Art „doppelt gemoppelt“ Prinzip. Sie bekommen weniger Likes, meistens auch weniger Kommentare. Es gibt weniger Interaktion mit den Postenden, weil diese ja auf Twitter aktiv sind und sie heben sich nicht durch Bilder ab. Es entsteht auch schnell ein Übersättigungsgefühl. Umgekehrt kenne ich das aber gar nicht – niemand veröffentlicht Facebook-Posts auf Twitter – was nicht überraschend ist, denn Twitter ist in der Zahl der Zeichen stark beschränkt, Facebook ist das nicht. Ich halte dieses Crossposting auch nicht für sinnvoll. Facebook ist Facebook, Twitter ist Twitter. Die Plattformen nähern sich mittlerweile gegenseitig in ihren Funktionen aneinander an, aber dennoch sind es unterschiedliche Denkweisen. Man sollte wohl besser beide Medien kennen lernen und sie begreifen, um bestmöglich Inhalte streuen zu können. Crossposting? Echt? Machen Sie das?

Soll man auf Twitter Anzeigen schalten? Haben Sie das schon probiert?

Kommunikationsprofi Günter Exel hat einen Artikel auf facebook geteilt, der sich mit der Schwellenangst vor Twitter beschäftigt. Der Artikel ist hilfreich, noch viel interessanter jedoch sind die Kommentare, die dem Post gefolgt sind. Günter lobt, dass man über Twitter „viel leichter Zugang zu Menschen hat als anderswo – interessanten wie uninteressanten, angenehmen wie weniger angenehmen.“ Er warnt jedoch auch vor allzu emotionalen Debatten und hält sich an News und Infos. „Sobald es als Instrument zur Meinungsmache verwendet wird, ist es ein glattes Parkett. Weil: schonungslos öffentlich.“

11 Gedanken auf "Wie nutzen Sie Twitter?"

  1. Markus Antworten

    Twitter ist für mich ein Infokanal. Emotionen habe ich keine dabei. Wenn ich nachschauen will, was gerade in der Ukraine passiert, finde ich manchmal glaubwürdigere Inhalte auf Twitter als in Zeitungen. Aber auch nicht immer. Manipuliert wird überall, wo Menschen posten. Ich habe auch kein eigenes Profil.

      • Markus Antworten

        Nicht wirklich … mit den üblichen Hashtags findet man viel. Natürlich auch viel Blödsinn. Muss man sich halt rauspicken, was interessant ist.
        # Ukraine #Krim #Russland #Euromaidan #Crimea #Maidan …

  2. Asa C. Antworten

    Twitter ist praktisch. Für Studienzwecke super. Recherchekanäle mal effizient.

  3. Roland Baumgartner Antworten

    Meine Partnerin schickt Tweets wenn sie im Ausland ist. Fotos und Beschreibungen kosten nicht so viel wie MMS. Leider gibt es nicht überall Netzverbindung. Meistens wird es Abend. Für mich ist das sehr emotional. Ich freue mich darauf.

  4. Kristine Honig Antworten

    Schöner Blogpost! Twitter ist mir von allen Social-Media-Kanälen der liebste. Kurz, knapp, übersichtlich. Meine Timeline liefert Aktuelles zu (Social Media) Marketing, Tourismus und Reisebloggern. Wenn es Neuerungen für Facebook gibt, lese ich als erstes auf Twitter davon.
    Probleme mit dem Thema Privatsphäre habe ich auf Twitter nicht, was aber auch daran liegt, dass ich selbst nicht zu privat in meinen Veröffentlichungen bin. Aus Politik, Genderdiskussionen etc. halte ich mich raus. Das diskutiere ich lieber im persönlichen Gespräch anstatt in 140 Zeichen.

    Zum Thema Crossposting: gerade im Tourismusbereich gibt es leider viele, die auch von Facebook auf Twitter crossposten. Und, wie Sie bereits schrieben: Sinnvoll und auch schön ist das definitiv nicht.

    • Granaton Antworten

      Vielen Dank für den kompetenten Beitrag! Ich habe neulich eine Statistik gesehen, die aufzeigt, dass Interaktionen und Retweets bei Bildtweets signifikant ansteigen, dass jedoch Hashtags wenig Einfluss auf Retweets haben. Ist es für Tourismus- und Reiseblogger ein spürbar stärkeres Medium für emotionales Marketing als Facebook, nachdem Facebook durch seinen harschen EdgeRank Bilder gerne vom Newsstream verbannt?

      • Kristine Honig Antworten

        Das verstärkte Anzeigen der Fotos auf Twitter ist sicherlich sehr hilfreich für die Bewerbung von Reisethemen. Für die Reiseblogger ist Twitter dabei ein geeignetes Medium, um sozusagen live von ihren Reisen zu berichten. Eine große Anzahl Posts in einem kurzen Zeitraum, die auf Facebook zu einem kleinen Overkill führen würde, passt auf Twitter perfekt in die Timeline. Ansonsten stellt Twitter in diesem Sektor ein ideales Medium sowohl zur Vernetzung der Blogger untereinander, als auch zur Vernetzung von Bloggern mit Touristikern dar.

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