XING sperrt meinen Account

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Am Freitag, 25.01.13, bekomme ich eine automatisierte E-Mail von XING. Mein Account wurde gesperrt. Genau sechs Tage hat es gedauert, bis das XING Team gesehen hat, dass hier ein ungewöhnliches Profil existiert. Vielleicht hat sich ein Besucher meines Profils beschwert.

Granaton Berlin ist ein Künstlername. Künstlernamen sind legal. Sie sind nicht nur legal, sie sind sogar gesetzlich geschützt. Ich bin der Meinung, man muss für das Recht auf einen Künstlernamen auch im Internet kämpfen. Dafür, unter mehreren Namen und Pseudonymen auftreten zu können, so wie man es im offline-Leben auch kann. Die seit jüngerer Zeit übliche Praxis, nur noch Namen in sozialen Plattformen gelten zu lassen, die im Personalausweis stehen, ist beängstigend. Denn so werden wir alle zu perfekt steuerbaren Zielen kommerzieller oder andersartiger Manipulation.  Nur dann, wenn man einer einzelnen Person nur mehr eine einzige Identität zuordnen kann, ist Werbung wirklich effektiv. Nur dann ist bestmögliche Kontrolle über ein Individuum erreichbar. Und die meisten Internetbenutzer machen fleißig mit. Nicht selten weisen mich unreflektierte Kollegen im sozialen Netz mahnend darauf hin, dass Peudonyme unschön sind. Manche beschimpfen mich sogar dafür. Das macht mich fassungslos. Für mich fühlt sich das ebenso absurd an, wie wenn ich dafür gerügt würde, dass ich lange Haare habe oder dass ich im Winter eine bunte Mütze aufhabe.

Hallo? Leute? Wir leben in einem Rechtsstaat und dieser Staat gibt mir das Recht, ein Pseudonym zu benutzen!! Stehen soziale Plattformen über dem deutschen Recht? Ich denke nicht!

Das  XING – Team Quality and Securíty hat Kontakt mit mir aufgenommen. Ich bin mit einer freundlichen Frau im Gespräch, die mir die Möglichkeit einräumt, mein Profil wieder zu entsperren, wenn ich plausibel machen kann, dass Granaton Berlin wirklich ein Künstlername ist. Die Vorgaben dafür sind hart. Sie weist mich auch darauf hin, dass bei XING nur ein Profil pro Mensch erlaubt ist. Nun gut. Ich werde Granaton Berlin als Künstlernamen einführen, damit ich das XING Profil in der aktuellen Konfiguration benutzen darf. Alternativ räumt man mir die Chance ein, das Profil auf meinen bürgerlichen Namen umzubenennen. Dafür muss ich aber einen Identitätsnachweis an XING schicken. Oh jeh. Wenn mich die Polizei nach meinem Identitätsnachweis fragen würde, würde ich nicht zögern, ihn vorzuzeigen, Polizisten sind dazu legitimiert. Aber XING?

Schon richtig, jedes Unternehmen darf eigene Spielregeln aufstellen. Wenn mir als Betreiberin einer sozialen Plattform einfallen würde, nur Mitglieder zuzulassen, die ein Tatoo haben, dann wäre das mein gutes Recht. Ich frage mich nur manchmal, welche Auswirkungen diese Regeln von großen sozialen Netzwerken, die ausschliesslich zugunsten des Vermögens ebendieser aufgesetzt werden, auf die Köpfe ihrer Nutzer haben werden.

 

2 Gedanken auf "XING sperrt meinen Account"

  1. PicassoDaVinci Antworten

    Naja, wenn Du meinst … In Deinem Fall ist es also so, dass OnlinePLANUNG und BERATUNG künstlerische Tätigkeiten sind?

    Das von Dir zitierte BGB §12 hast Du natürlich recht. Jedoch bezieht sich §12 BGB auf das UrhG aus dem hervorght: „NACH DEM URHEBERRECHT HAT EIN KÜNSTLER DAS RECHT, FESTZULEGEN, UNTER WELCHEM NAMEN (PSEUDONYM) ER GENANNT WERDEN WILL“

    Zudem hat XING (auch anderer SocialNetworks) nicht nur das Recht, Dein Profil zu sperren, sondern sogar die Pflicht, da Du als Profilinhaber der Auskunftspflicht nach § 13 (6) TMG nicht nachgekommen bist. § 13 (6) TMG besagt, dass Du als Dienstanbieter einwandfrei erkennbar sein musst. D.H. dein Künstlername muss entweder amtlich registriert sein oder Du hinterlegst Deinen echten Namen oder oder oder.

    Aber ganz abgesehen von der rechtlichen Grundlage: Meinst Du wirklich, das ein Firmenname ein Künstlername ist? Was hast Du zu verbergen, dass Du dich vor deinen Kunden verstecken willst? Das ein StreetArt-Künstler wie Banksy das macht, klar. Aber dessen Geschäft besteht auch nicht aus 1:1 Kommunikation.

    Viel Spass weiterhin, PicassoDaVinci!

    • Granaton Antworten

      Lieber PicassoDa Vinci,
      dieses Thema ist sehr komplex – gut gemeintes Halbwissen, dem man deutlich anmerkt, dass der Autor dieses Kommentars sich noch nie umfassend damit beschäftigt hat, ist leider nicht ausreichend, um kompetent darüber zu diskutieren.
      Ein Künstlername hat nur in den seltensten Fällen, so wie von dir angesprochen eine Schutzfunktion. Das mag ganz sinnvoll sein, wenn man undercover agiert, oder auch – so wie bei Banksy – illegale Kunstwerke macht, die eigentlich unter „Sachbeschädigung“ fallen. In dem Fall spricht man eher von einem Decknamen, oder im HipHop-Jargon von „Nick“. Aber der Künstlername schlechthin hat damit nichts zu tun. Er ist in erster Linie inspirierend für den Künstler. Der bügerliche Name ist emotional aufgeladen mit der Vergangenheit einer Person und den damit verbundenen Menschen. Der Künstlername hingegen ist ein Neustart für eine eigene Identität, die eigene Inhalte transportiert und ein eigenes Image entwickeln kann. Er kann so wie das Kostüm eines Schauspielers funktionieren, der erst dann einen guten Robin Hood verkörpern kann, wenn er das entsprechende Gewand dazu trägt. Er hilft einem Künstler dabei, seine Kunst zu machen. Nicht mehr und nicht weniger.
      Zur rechtlichen Situation: Im Gegensatz zu „PicassoDaVinci“ ist „Granaton“ keiner Verwechslungsgefahr ausgesetzt. Wer den Namen googelt, wer ihn zum ersten Mal hört, wer ihm begegnet, kommt unweigerlich zu mir. Ein einwandfreier Künstlername, über jeden Zweifel erhaben. Mit ladungsfähiger Anschrift und Kontaktdaten. Rechtlich nicht zu beanstanden. Eingentragen werden muss er nirgends, um gültig zu sein. Diese ganze „XING ist verpflichtet mein Profil zu sperren“ Arie ist Unsinn. Xing ist in keiner Weise dazu verpflichtet, Profile zu sperren, wenn sie pseudonymisiert sind, das sind eigene Spielregeln von XING, die darauf abzielen, User möglichst eindeutig identifizierbar zu gestalten, damit sie bestmöglich als Werbekunden adressiert werden können. IN DEUTSCHLAND GIBT ES KEINE KLARNAMENPFLICHT!
      Und ja, selbstverständlich kann Planung und Beratung eine künstlerische Tätigkeit sein, ebenso wie das Fotografieren, Videos drehen oder das Malen künstlerische Tätigkeiten sein können. Und ebenso wie ein Maler und Anstreicher, der eine Wohnung verschönt, vermutlich nicht darauf bestehen würde, dass das freie Kunst ist, wird ein Maler, der frei künstlerisch Bilder malt, vermutlich sehr wohl darauf insistieren, dass da ein Unterschied besteht zum Malen und Anstreichen einer Wohnung. Einmal ist es Handwerk, einmal ist es Kunst. Und doch handelt es sich in beiden Fällen um „Malerei“.
      Lieben Gruß
      Granaton

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